Aktivstall Bosselbacher Hof in der Eifel

Am Samstag habe ich Freunde in ihrem neuen Stall in der Eifel besucht. Die beiden Stuten der Familie sind gesundheitlich angeschlagen. Neben einer Stoffwechselstörung (Lotte) kämpfen beide mit dem Befund Hufrehe. Die Besitzerinnen Beate und Franzi haben sich schon immer viel Gedanken um artgerechte Haltung und Fütterung gemacht. Neben getreidefreier Fütterung standen die Pferde vorher in einem Stall, der tagsüber Padock- oder Weidegang anbot und die Pferde nur nachts in die Box kamen. Trotzdem ging es den Stuten gesundheitlich immer schlechter. Vor allem die Hafistute Lotte (siehe http://diestute.com/2013/08/29/lotte/) baute immer mehr ab. So entschieden Franzi und Beate, die Stuten in den Aktivstall in der Eifel umzuziehen.

Als ich dort ankam war ich begeistert. Die Herde lebt dort auf drei Ebenen, auf denen sie sich frei bewegen können. Da der Stall am Hang liegt müssen die Pferde immer bergauf oder -ab laufen. Ein geniales Bewegungsprogramm.

Es gibt 24h Heu, allerdings wird dieses pro Pferd rationiert. Die Pferde tragen alle einen Chip. Dieser Chip stellt sicher, dass ein Pferd eine bestimmte Menge an Futter bekommt, dass der Zugang zu bestimmten Plätzen wie z.B. der Heuraufe begrenzt ist und dass die Tiere nur eine bestimmte Zeit lang an der Raufe stehen können.

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Pferde vor der Gruppen-Heuraufe

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Ein Blick ins Innere: große Ballen stehen den Pferden zur Verfügung. Die „Fenster“ sind geöffnet und lassen die Tiere an das Futter.

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Leichtes Befüllen ist mit dem Traktor möglich.

Alle Pferde stehen in einem Fenster, dass sich nach einer festgelegten Zeit schließt. Dann laufen die Pferde durch die Schleuse in den nächsten Teil des Stalls und die nächste Gruppe kann an die Gruppenraufe.

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Die Schleuse öffnet sich, wenn das System den Chip erkannt hat und das Pferd passieren darf.

Die Pferde wissen genau, ob ihre Gruppe gerade am Heu ist oder nicht. Wenn die Vorgängergruppe noch den Platz blockiert, warten die Pferde auch in der geöffneten Schleusentür.

Die Fütterung von Kraftfutter erfolgt mit Hilfe eines Futterautomaten. Die Pferde betreten ihn genauso wie die Schleuse. Der Chip wird gelesen und der Automat wirft die eingespeicherte Menge Futter aus. Die Gesamtmenge wird über mehrere Mahlzeiten am Tag verteilt. Wenn das Pferd gefressen hat öffnet sich die Tür, das satte Pferd verlässt den Automat vorwärts und der nächste Hungrige kann die Schleuse von hinten betreten.

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Ein Pferd in der Doppel-Raufe. Der Chip öffnet die Fenster zur Futteraufnahme.

Genauso funktierniert auch das rationierte Heu. Hier stehen 2 Pferde nebeneinander am Futter. Der Chip hat die Zeit der Futteraufnahme eingespeichert. Ist diese vorbei, schließen sich die Fenster langsam. Die Pferde ziehen ihre Köpfe zurück und gehen rückwärts aus der Hütte heraus.

Auch die Tränken funktionieren voll-automatisch. Sie sind frostfrei, da das Wasser immer ein wenig in Bewegung ist.

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Frostfreie Tränke

Die Hanglage ermöglicht insgesamt 3 Ebenen auf ca. 4 Hektar Gesamtfläche. Die Pferde werden mit der Verteilung von Heu auf der untersten Ebene, Kraftfutterstation in der Mitte und Wasser sowie Liegefläche auf der oberen Ebene zu ständiger Bewegung gezwungen. Die Herde zieht, wie in der freien Natur, von Ort zu Ort um sich zu versorgen. Das gesamte Gelände ist mit Ecoraster ausgelegt, die obere Trittebene ist Sand.

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Drei Ebenen bieten viel Platz und Bewegungsanreize

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die Liegehalle mit Knabber- Baumstämmen, die auch den Raum unterteilen

Außerdem verfügt der Hof über eine große, neue Reithalle. Da kann man nur neidisch werden!

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Reithalle

Fazit:
Dieser Hof ist das pferdgerechteste, was ich je gesehen habe. Die Herdenhaltung und die ständige Bewegung führen zu ausgeglichenen und ruhigen Pferde. Obwohl insgesamt über 40 Pferde auf der Anlage stehen wirkt alles großzügig und weitläufig. Die Betreiber halten die Anlage sehr sauber. Ein Paradies für Pferd und Reiter!

6 Kommentare zu Aktivstall Bosselbacher Hof in der Eifel

  1. Das schaut echt toll aus 🙂 Aber wie ist das mit dem Chip? Wird der dem Pferd auch eingesetzt..? Ich find s toll, dass die Leute wieder mehr Wert auf artgerechte Haltung und Fütterung legen.

    • Hi Wolke, der Chip wird nicht eingesetzt. Er ist in einem Halsband, dass die Pferde tragen. Liebe Grüße!

      • Ah okay 🙂 Da hätte ich wieder Angst, dass Shaman sich beim Schubbern mit den Hufen festhängt und sich das Genick bricht..Ist leider schon ein paar Pferden die ich kenne passiert – sowohl im Halfter, als auch Halsband 🙁
        Shaman trägt nur Halfter, wenn ich dabei bin…

  2. Warum nur gibt es sowas nicht in meiner Nähe. 🙁

  3. Und bei den Halsbändern ist dort, wo ich das her kenne, eine Sollbruchstelle eingebaut.

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