Pferde in unserer Welt: Desensibilisierung mit der Plane

Er erste Kontakt: Suri verzieht das Gesicht. Die Plane ist ihr nicht geheuer.

Der Schrecken vieler Pferde sind Plastiktüten. Sie flattern, machen seltsame Geräusche und bewegen sich wie von Geisterhand. Und wenn es ganz dick kommt ist es nicht nur eine Tüte, sondern eine ganze Plane, die sich laut raschelnd im Wind bewegt.

Zum Training habe ich eine große Plane, mit der man Gartenmöbel oder Holzscheite abdeckt. Sie ist so groß, dass ich das gesamte Pferd damit einwickeln könnte. Wenn sie mich denn lassen würde ;).

Zu Beginn falte ich die Plane komplett zusammen, so dass ich eine große Tüte in der Hand habe. Mein Pferd ist mit Knotenhalfter und Seil (3,7 m) ausgestattet. Außerdem trage ich Handschuhe, denn in einer Schrecksituation kann mir das Pferd das Seil mal durch die Hand ziehen.

Ich bewege mich im Training immer völlig normal, aber ohne Hast. Die Körpersprache sollte nicht zögerlich sein, denn sonst spiegelt das Pferd meine Erwartungen und reagiert schreckhaft. Ich gehe forsch auf mein Pferd zu und versuche es mit der Plane  zu berühren, am besten auf Höhe der Schulter. Wenn das Pferd mit Flucht reagieren will, halte ich das Seil kurz und lasse die Plane am Pferdekörper, bis mein Pferd wieder still steht. Erst dann nehme ich die Plane weg und belohne mein Pferd mit einer Ruhepause. Es ist ganz wichtig die Plane erst wegzunehmen, wenn das Pferd steht. Denn so lernt mein Pferd, dass das unangenehme Ding nur verschwindet, wenn es dieses aushält. Und dass Flucht keine Lösung ist. Die Übung wiederhole ich so lange, bis mein Pferd nicht mehr schreckhaft reagiert und auch den Kopf entspannt zum Boden senkt. Dann berühre ich auch andere Körperteile mit der Plane: Hals, Rücken, Beine. Ich streiche den ganzen Pferdekörper mit dem Plastik ab. Wenn auch das ohne Flucht geschehen kann, wechlse ich die Seite.

Da das Pferd keine Verknüpfung zwischen der rechten und der linken Gehirnhälfte hat, kann es keinen Zusammenhang zwischen den Übungen rechts und links erkennen. Aus diesem Grund arbeite ich auf dem „anderen Auge“ wieder wie von Neuem. Für das Pferd ist es eine völlig neue Übung. Also auch hier: erst berühren, bis das Pferd steht, dann Pause. Neue Stellen berühren, Pause. Abstreichen, Pause.

Wenn das Berühren mit der gefalteten Plane funktioniert, beginne ich die Plane (nicht ausgebreitet, sondern gefaltet) über das Pferd zu legen. Jetzt werden beide Augen stimuliert, weil das Pferd die Plane nun auf beiden Seiten erkennen kann. Auch hier lobe ich erst, wenn mein Pferd still steht. Dann kann ich die Plane entfernen. Dieses Spiel spiele ich so lange, bis ich mein Pferd mit der gesamten Plane „eindecken“ kann.

Die Tüte kann ich auch an das Pferd hängen - wenn ich schon viel desensibilisiert habe!

Die Tüte kann ich auch an das Pferd hängen – wenn ich schon viel desensibilisiert habe!

Diese Übung dient zur Desensibilisierung von Plastik. Allerdings verknüpft das Pferd schnell einen Ort mit einer ungefährlichen Situation. Wenn mein Pferd sich also im Gelände weiter vor Plastiktüten erschrickt, ich es zu Hause aber in Plane einwickeln kann, verlagere ich die gesamte Übung ins Gelände.

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  1. Desensibilisierung 1 – das Training für das sichere Pferd | Fü(h)rPferd Horsemanship

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