Erklärung der Trense – ungeliebt oder falsch verstanden?

Viele Pferde lassen sich nicht gern trensen. Sie reißen den Kopf hoch, verschließen fest das Maul oder entziehen sich durch Weglaufen. Dabei sollte die Trense ein leichtes Kommunikationsmittel sein. Wie kann ich die Beziehung zwischen Pferd und Trense verbessern?

Suri ist so ein Kandidat. Ich glaube, dass sie keine guten Erfahrungen mit der Trense gemacht hat. Auch sie reagiert beim Anblick mit Entzug. Zuerst möchte ich erklären, woher dieses Verhalten wahrscheinlich stammt.

Der Reiter versteht die Trense als etwas selbstverständliches. Dem Pferd wird ein Metallstück in den Mund gelegt, über das ich dann mit Hilfe der Zügel kommunizieren kann. Im Ursprung waren die Zügel und das Gebissstück jedoch nicht zum Lenken oder Bremsen gedacht, sondern sollten kleinste Informationen an das Pferdemaul weitergeben. Hierüber kann ich mein Pferd versammeln, das Genick einstellen (indem mein Pferd auf einen bestimmten erlernten Druck im Genick nachgibt) und mein Pferd auf mich und meine sonstige Einwirkung aufmerksam machen (übertragend „tippe ich ihm auf die Schulter“ wenn es nicht aufpasst). Leider wissen aber die wenigsten Reiter wie ich meinem Pferd diese Einwirkung erklären kann. Und so wird die Trense bei vielen Pferden gar nicht erklärt, sondern einfach verschnallt. Beim Losreiten bzw. den ersten Übungen läuft das Pferd dann gegen die Einwirkung, und der Schmerz im empfindlichen Maul lässt das Pferd entweder „richtig“ reagieren und stoppen oder es rennt gegen den Druck an. Das Pferd erkennt schnell, dass die Trense schuld ist an der schmerzhaften Erfahrung und wehrt sich gegen das Auftrensen.

Eine zweite Erklärung kann der „Nussknackereffekt“ der einfach gebrochenen Wassertrense sein. Im Pferdemaul liegt die Trense auf der Zunge. Wenn die Zügel angenommen werden richtet sich das Mittelstück des Gebisses auf und drückt gegen den Gaumen. Gleichzeitig liegen die Außenstücke auf dem Zahnfleisch auf, die Zunge wird zwischen den Schenkeln zusammengedrückt. Dieser Effekt kann für empfindliche Pferde sehr schmerzhaft sein. Probiert es mal selbst aus: legt euch zwei Stiftenden auf die Zunge. Der Druck auf der Zunge ist schon unschön, aber wenn ihr nun beide Enden nach unten drückt heben sich die Stiftenden hoch und drücken unter den Gaumen und an der Seite gegen die Mundwinkel. Sehr unangenehm, nicht? Die passiert nicht bei der doppelt gebrochenen Variante, die lediglich bei Zügelzug auf das Zahnfleisch drückt.

Sowohl beim unerfahrenen Jungpferd, dass keine Trense kennt als auch beim Pferd mit negativer Prägung kann ich nun wie folgt vorgehen. Bei der ersten Erfahrung mit der Trense geht es nur um das „Anziehen“, nichts anderes. Ich wärme das Gebiss in meiner Hand leicht vor, so dass es nicht als kalter Fremdkörper in das warme Maul gelangt. Dann biete ich es auf meiner linken Hand liegend dem Pferd an, die rechte hält das obere Ende der Trense. Die meisten Pferde sind sehr neugierig und nehmen neue Dinge gern ins Maul. Bei unerfahrenen Pferden ist die Aufnahme meist ganz leicht. Sobald das Gebiss im Maul liegt lege ich sanft das Kopfstück über die Ohren. Alle weiteren Riemen sollten abgebaut sein, denn es geht nur um das Gebissstück und das Halten über das Genickstück. Bei Pferden, die das Gebiss nicht nehmen wollen lasse ich mir lange Zeit. Sobald mein Pferd sich abwenden will frage ich nach der Aufnahme des Gebissstücks ins Maul, wenn es ruhig steht bekommt es eine Pause. Durch die Taktik von „Annäherung und Rückzug“ finden die Pferde schnell die Lösung, dass das Annehmen des Gebiss ihnen Ruhe und Entspannung verschafft.

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Auch Suri hat schnell verstanden, dass das Gebiss nichts Schlimmes ist. Ich habe ihr zusätzlich noch ein neues Spezialgebiss gekauft, das mehr Zungenfreiheit bietet und wenig Platz im Maul beansprucht. Sie hat sofort damit ausprobiert, es geschoben und gekaut – und war sehr entspannt dabei!

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2 Kommentare zu Erklärung der Trense – ungeliebt oder falsch verstanden?

  1. Sehr gut erklärt. Das ist eines dieser Dinge, die für uns viel zu selbstverständlich sind. Man macht sich keine Gedanken darüber, warum ein Pferd vielleicht Probleme mit der Trense hat. Oft wird sie einfach reingezwungen, statt dem Pferd Zeit zu geben und es langsam (wieder) daran zu gewöhnen. Klasse Artikel!

    • Fü(h)rPferd // 11. Juni 2014 um 11:20 // Antworten

      Danke schön! Wir machen uns oft zu wenig Gedanken, weil es ja „normal“ ist. Erst wenn ein Pferd sich wehrt bemerkt der aufmerksame Halter, dass etwas nicht stimmt. Und meist wird das als Ungehorsam abgetan und das Pferd muss funktionieren. Es gibt auch einen anderen Weg, und den möchte ich hier zeigen 🙂

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