Monty Roberts „Next Generation Tour“ – 16. November 2012

Letztes Jahr habe ich zusammen mit einer Freundin die „Next Generation Tour“ von Monty Roberts in Aachen angesehen. Es war hauptsächlich Neugier, weil ich als Kind seine Bücher gelesen und natürlich den Film „Der Pferdeflüsterer“ gesehen hatte. Damals, das ist jetzt ca. 15 Jahre her, habe ich das Join Up nach seiner Anleitung ausprobiert und war völlig fasziniert, dass es funktionierte! Heute weiß ich, dass ein Join Up ein ganz kleiner Teil des Pferdetrainings sein kann. Die Führung mit Hilfe von Freiarbeit zu klären ist eine schöne Sache, reicht aber bei Weitem nicht aus, um einem Pferd das Verständnis für viele Anforderungen, die der Mensch und Reiter an ihn stellt, zu vermitteln.

Trotzdem wollte ich Monty live sehen. Trotz seines hohen Alters steht er im Ring und zeigt sein System, das imponiert mir. Also bestellten wir die Karten und gönnten uns eine relativ gute Sicht, die natürlich ihren Preis hatte.

Die Halle war ausverkauft. Als wir abends dort ankamen war die Organisation sehr gut. Die Albert-Vahle-Halle ist Großereignisse im Pferdesport gewöhnt, so dass das Showprogramm gut durchgeplant war. Mich erstaunte, dass das Publikum sehr gemischt war. Hier trafen alle Altersklassen und Reitsport-Arten aufeinander. Verbindend was nur eins: die Liebe zum Partner Pferd und das Interesse am „Großen Monty“ und seiner gewaltfreien Ausbildungsmethode.

Als es endlich los ging wurde es still in der Halle. Aus den Lautsprechern dröhnte Musik, und die von Monty zertifizierten Ausbilder reihten sich am aufgestellten Round Pen auf. Dann betrat Monty den Round Pen und begrüßte die Zuschauer. Er hat unglaublich Charisma und füllte mit seiner Präsenz die Halle. Mit Witz und Charme führte er durch sein Programm, erklärte die Reaktion der vorgestellten Pferde, wies auf Körpersprache hin und riss das Publikum förmlich mit sich. Natürlich stellte er auch seine Ausbilder vor, die immer Teil der Vorstellung waren. Auch ließ er nicht aus, sein zur Pferdeausbildung entwickeltes Dually Halfter vorzustellen, welches in der Pause und nach der Veranstaltung zusammen mit diversen Merchandise-Artikeln wie Büchern und DvDs erworben werde konnte.

Monty 3

Die Plane, der Schrecken vieler Pferde

Monty Roberts ist ein Showman. Und diese Eigenschaft nutzt er gekonnt, um den Menschen seine Botschaft zu vermitteln. Er möchte eine Pferdewelt, die das Pferd nicht unterwirft, sondern in der die Pferde mit Verständnis und Vertrauen ausgebildet werden. Er wurde nicht müde, immer wieder auf die Sprache der Pferde hinzuweisen. Und er flüstert nicht, sondern er hört zu. Er liest aufmerksam die Körpersprache des Pferdes.

Monty 4

Showman mit Charisma: Monty Roberts

Den Abschluss der Show bildete das Verladen. In der Pferdeszene gibt es immer wieder Probleme mit dem Verladen des Pferdes, weil die Tiere das Betreten eines engen Raums ohne Fluchtmöglichkeiten meiden. Da viele Reiter nicht wissen, wie sie ihrem Pferd die Ungefährlichkeit des Hängers erklären können, scheint es wie Zauberei wenn Monty ein Pferd nach nur wenigen Minuten Training auf den Hänger schicken kann. Noch dazu, wenn dieses Pferd nach Angaben seiner Besitzerin so panisch auf den Hänger reagiert, dass es einen Kopfschutz trägt.

Monty Roberts

Verladetraining: Das Pferd hat laut Angaben der Besitzerin so große Probleme mit dem Hänger, dass es zu seinem eigenen Schutz einen „Helm“ trägt.

Fazit:

Der Abend war unterhaltsam und lustig. Der Showman Monty Roberts bringt das Publikum zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Er vermittelt anschaulich, dass ein Pferd schnell in der Lage ist, einem Menschen zu vertrauen und Aufgaben zu lösen, vor denen es zu Beginn noch panische Angst hatte.

Monty arbeitet vor der Show nicht mit den Pferden. Wer ein wenig Erfahrung in dem Bereich hat sieht, dass die Tiere ihm zu Beginn der Arbeit weder vertrauen, noch dass es sich um einstudiertes Verhalten handeln kann. Pferde sind ehrlich, sie können nicht schauspielern. Auch wenn immer wieder behauptet wird, es seien Showpferde – das ist nicht wahr.

Wer die Show besucht kann nicht erwarten, dass er die Übungen zu Hause mit dem eigenen Pferd nachmachen kann. Es ist eine reine Showveranstaltung, die den Menschen den gewaltfreien Umgang im Training zeigen soll. Es hat nichts mit einem Seminar oder einer Lehrveranstaltung zu tun. Für die Weiterführung zu Hause können entweder Lehrmaterialien erworben werden, oder man spricht einen der von Monty Roberts ausgebildeten Instructoren aus Deutschland an. Sie werden während der Show mit Namen und Wohn- bzw. Arbeitsort vorgestellt.

Insgesamt hatte ich einen interessanten, lustigen und schönen Abend. Monty Roberts live zu sehen war eine Erfahrung, die mich im Training zwar nicht weitergebracht hat. Aber einen über 70-Jährigen am Pferd zu sehen macht Mut. Wer so lange mit Pferden arbeitet und noch immer nicht die Lust daran verloren hat, muss seinen Traumjob gefunden haben. Und ist das nicht das Ziel, das wir alle verfolgen?

2 Kommentare zu Monty Roberts „Next Generation Tour“ – 16. November 2012

  1. Liebe Akki,

    ich bin zufällig grad über diesen Beitrag gestolpert und ich freu mich sehr drüber.

    Ich war beruflich im April bei Monty Roberts – allerdings habe ich nicht die Show besucht, sondern war am Vormittag bei der Pferdeauswahl dabei und habe Monty Roberts interviewt. Mit einem Pferd, das nicht bei der Show dabei war, wurde auch direkt gearbeitet.

    Bis heute weiß ich nicht genau, was ich von dieser Erfahrung halten soll, es fällt mir sehr schwer, das Erlebte zu bewerten.

    Auf der einen Seite fand ich die Art und Weise, wie mit den Pferden gearbeitet wurde, überhaupt nicht gut. Ich hatte die ganze Zeit ein ganz doofes Gefühl im Bauch, das nicht verschwinden wollte.

    Das Pferd war jedoch zufrieden, es hat zufrieden gekaut, geschnaubt und es hat sich am Ende sogar gewälzt.

    Monty Roberts und sein Instructor haben mich sehr begeistert. Ich konnte sofort nachempfinden, warum Pferde sich ihnen gerne anschließen. Sie haben so viel Ruhe und Vertrauen ausgestrahlt – Wahnsinn.

    Für mich persönlich ist das Join-Up nichts. Mir persönlich ist der Druck dabei einfach viel zu groß. Doch abgesehen vom Join-Up war ich angetan von der Art und Weise wie Monty Roberts und seine Instructors gearbeitet haben, wie sie mit den Pferden umgegangen sind und wie sie über die Tiere gesprochen haben.

    Liebe Grüße
    Karo

    • Fü(h)rPferd // 13. August 2015 um 10:06 // Antworten

      Hi Karo,
      ich verstehe dich gut. Monty und seine Instruktoren haben eine ganz tolle Ausstrahlung. Sie sind Menschen, die einfach begeistern. Sie können überzeugen, denn sie stehen hinter dem, was sie tun. Und das finde ich richtig toll. Aber wie du sagst, die Arbeit selbst ist auch für mich nichts. Natürlich schnauben und kauen die Pferde, wenn der Druck nachlässt. Eine stärkere Bestätigung als die plötzliche Ruhe kann ein Pferd kaum bekommen. Es ist quasi der Kick, nach dem enormen Druck in die Ruhephase zu kommen. Aus meiner Sicht kann man das aber auch anders erarbeiten. Mich erinnert es sonst an „Zuckerbrot und Peitsche“ – da brauche ich nicht. Ich kann auch ruhig und gelassen etwas erarbeiten, ohne ständig zu mit Druck zu drohen.
      Ganz liebe Grüße,
      akki

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