Von Bandenexperten und Gruppenspezialisten

Unser Hobby könnte so schön sein: wir sitzen auf dem Pferderücken, trainieren was auch immer wir uns vorgenommen haben und sind stolz auf die Entwicklung unseres Partners Pferd. Wir kennen seine Schwächen und auch Stärken, schauen auf den Weg, den wir schon gemeinsam gegangen sind und blicken auf das was wir noch erreichen wollen. Der Moment, wenn wir den Reitplatz betreten, die Zügel nach dem Aufwärmen aufnehmen und die ersten Trainingseinheiten starten ist unbezahlbar. Bis zu dem Punkt…

…wo von der Bande der erste Kommentar ertönt. „Meinst du nicht, dass die mehr untertreten muss?“ Grmpf. Nein, meine ich nicht. Weil ich die Schwächen meines Pferdes kenne. Weil ich weiß, dass sie erst richtig warm sein muss, bis sie die Hinterhandmuskulatur richtig einsetzen kann. Weil ich weiß, dass der Sturz, den sie bei der Vorbesitzerin erlebte, Folgen hinterlassen hat, so dass bis heute die Beckenbänder geschädigt sind. Und weil ich weiß, dass ich darauf Rücksicht im Training nehmen muss. Das Mädel da an der Bande weiß das nicht. Ich will und muss es ihr auch nicht erklären. Aber der bittere Beigeschmack bleibt.

Egal wo wir mit unseren Pferden sind, wir treffen immer auf viele Trainer-, Futter-, Haltungs- und Zuchtexperten. Jeder weiß es besser. Reiten mit Knotenhalfter? Undenkbar, ein so scharfes Hilfsmittel!!! Mit Trense und Gebiss? Oh nein, wie kannst du dein Pferd nur mit einem Gebiss quälen? Und zum Thema Beschlag diskutieren wir über barhuf, Hufschuhe und die schlimmen Schäden durch Hufeisen. Neben den Experten im realen Leben treffen wir in der digitalen Welt auf noch mehr Spezialisten, die auf alles die richtige Antwort kennen. Zu jedem Thema wird da rauf- und runterdiskutiert ohne das Pferd je gesehen zu haben geschweige denn die Vorgeschichte korrekt und vollständig zu kennen. Ein Foto reicht und das Urteil wird gefällt. Kann das gut gehen?

Generell halte ich mich gern in bestimmten Foren oder Gruppen im Internet auf. Es gibt ganz tolle Gemeinschaften mit höflichen Pferdekennern, die auch mal sagen: „Das kann ich so nicht beurteilen, da muss jemand vor Ort ran.“ Das zeugt von Kompetenz, denn diese Menschen können auch mal zugeben, was sie (vom Bildschirm aus) nicht können. Noch schöner ist es, wenn sogar verschiedene Meinungen zugelassen werden. Wenn es nicht heißt „wie kannst du nur“, sondern ein reflektiertes „Ich würde es so nicht machen, weil… Daher mache ich es so und so.“ An der Bande im realen Leben habe ich so eine Aussage noch nie gehört.

Doch was bedeutet es eigentlich, wenn ich mich an den Rand stelle und meine Meinung kund tue? Will ich dem Menschen auf dem Pferd wirklich helfen, oder einfach nur als Besserwisser und Alleskönner auftreten? Was verursacht meine Aussage? Einige unserer Mitmenschen haben noch nicht allzu lange ein Pferd. Oder sie sind generell unsicher und lassen sich schnell beeinflussen. Eine einzige unbedachte Aussage kann meinen Gegenüber in Zweifel stürzen. Sie nehmen sich zu  Herzen, dass jemand denkt sie würden nicht merken was sie angeblich falsch machen. Im besten Fall besprechen sie das mit ihrem Trainer, im schlechten kaufen sie sich irgendwelche Hilfsmittel.

Ich bitte alle Kommentierer, Diskutierer, Wissende und Experten: Wartet bis ihr gefragt werdet. Und dann denkt erst bevor ihr antwortet. Keiner von uns will beleidigt oder als dumm hingestellt werden. Wenn ich wirklich vom Fach bin kann ich einen Fall pro und kontra bewerten und dann zu einem Ergebnis kommen. Dann nehme ich euch ernst und respektiere eure Meinung. Ansonsten haltet euch doch einfach raus, egal ob an der Bande oder in der digitalen Welt. Wie sagte schon Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten.“

 

Auch Chevalie hat sich Gedanken zu dem Thema Soziale Medien und ihre Auswirkungen im Pferdbereich gemacht.

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