Verständnis

Wer mit Pferden arbeitet wird immer wieder mit den verschiedenen Methoden der Pferdeausbildung konfrontiert. Ob klassisch, western oder „natürlich“, einem Pferd ist der Weg zum Reitpferd erst einmal egal. Es geht nämlich nicht darum, was das Pferd lernt – sondern wie.

Beim Pferdetraining gibt es verschiedene Methoden, um ein Pferd „nutzbar“ zu machen. Es gibt die Möglichkeit, ein Pferd zu „brechen“, das heißt es gewaltsam gefügig zu machen. Ein Pferd, auch wenn es ein sehr großes Tier ist, ist aufgrund seiner Eigenschaften als Fluchttier sehr leicht zu beeindrucken. Wenn es einmal gelernt hat, dass es weniger Schaden hat, indem es sich ergibt, wird es sich dem Menschen unterwerfen. Leider haben wir dann ein Pferd, das nicht auf Basis von Vertrauen mit dem Menschen zusammen arbeitet, sondern auf der Basis von Angst. Ein so trainiertes Pferd wird kaum locker und leicht arbeiten, weil es ständig mit Schmerz rechnet.

Wenn ich ein Pferd auf natürliche Weise ausbilde, also im Sinne und mit der Sprache des Pferdes, bekomme ich einen Partner der gern mit mir arbeitet. Das Pferdetraining basiert nicht auf Angst und Unterwerfung, sondern auf Verständnis. In diesem Fall muss sich der Mensch dem Pferd anpassen. Das Pferd lernt mit Hilfe von Komfort und Diskomfort. Wenn ich eine neue Aufgabe stelle, schicke ich mein Pferd in eine nicht komfortable Situation. Mit Hilfe von Körpersprache kann ich Druck aufbauen, z.B. indem ich eine Stelle am Pferdekörper fixiere. Dafür benötige ich nur die richtige Stellung meines Körpers sowie meinen Blick. Uns Menschen geht es genauso, nur wir sind uns unserer Körpersprache weniger bewusst als das Pferd. Wer kennt diese Situation nicht: ein Fremder kommt mir bei der Begrüßung zu nah. Ich fühle mich unwohl und mache automatisch einen Schritt zurück, um meinen persönlichen Raum wieder zu erlangen. Genau das wenden wir beim Pferd an: indem wir in seinen Raum treten, erzeugen wir Druck. Und um diesem Druck wieder zu entkommen, sucht das Pferd eine Lösung in der Bewegung. Macht es die richtige Bewegung, nehme ich den Druck wieder weg und lobe das Pferd damit. So kann das Pferd eine Verknüpfung schaffen: Mensch erzeugt Druck auf eine Körperstelle, eine bestimmte Bewegung nimmt den Druck weg -> Lösung der gestellten Aufgabe. Natürlich gibt es Pferde, die auf den Druck in seinem „Luftraum“ nicht reagieren. Dann kann ich den Druck erhöhen: mit Hilfe meiner Hände (ich „beiße“ das Pferd, indem ich es mit dem Finger pikse), oder mit Hilfe des Trainingsseils. Allein der Schwung des Seils kann so viel Druck erzeugen, dass das Pferd weicht ohne das es vom Seil berührt wird.

Das Wichtigste bei diesem Training ist, dass ich im richtigen Moment den Druck wieder wegnehme. Nur dann kann das Pferd die richtige Bewegung mit der Bestätigung verknüpfen.

Der Leitsatz im Pferdetraining ist: Das Pferd hat immer recht. Wenn mein Pferd mir die richtige Antwort auf die gestellte Aufgabe nicht gibt, dann habe ich in der Fragestellung einen Fehler gemacht. Aus diesem Grund ist es niemals nötig, ein Pferd zu bestrafen. Denn wenn der Fehler bei mir liegt, müsste ich mich bestrafen – oder einfach die Aufgabe anders stellen.

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