Vertraue deinem Gefühl

Wenn ich mit Suri oder einem Trainingspferd arbeite stehen alle meine Antennen auf Empfang. In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass ich mir hier vertrauen muss: ich kann Anspannung oder Unbehagen des Pferdes nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Das klingt jetzt komisch, ist aber trainierbar. Sobald ich etwas verlange, was dem Pferd Kopfzerbrechen bereitet, achte ich als erstes auf die sichtbaren Anzeichen seiner Gefühlslage:

– Das Maul: ist es angespannt, zeigt es Falten? Oder hängt die Lippe lasch herunter? Kaut und leckt das Pferd?
– Der Augenausdruck: ist das Auge aufgerissen oder entspannt geöffnet? Fokussiert es, oder schweift es schnell ab? Sehe ich das „Panikdreieck“, also ein extrem aufgerissenes Auge?
– Die Ohren: fokussieren sie auch mich oder einen Gegenstand, oder werden die Ohren ständig neu gestellt? Konzentriert sich mein Pferd evtl. auf etwas völlig anderes, so dass ein Ohr immer „abwesend“ ist?
– Die Hufe: trippelt mein Pferd unruhig, oder steht es entspannt? Wird ein Bein entlastet?
– Die Muskulatur: zuckt das Pferd mit einer Körperpartie? Sehe ich zitternde Muskeln, oder starke Anspannung?

Das alles sind sichtbare Hinweise, die ich aufnehmen muss. In den letzten Monaten ist mir aufgefallen, dass ich diese Hinweise nicht mal mehr sehen muss. Selbst wenn das Pferd hinter mir agiert kann ich hören, in welcher Gefühlslage es sich befindet:
– Der Klang der auffußenden Hufe zeigt An- oder Entspannung.
– Zähneknirschen bedeutet häufig Stress.
– Schnauben in Form von rhythmischem Pusten kann ein Ausdruck von Stress sein, Abschnauben in Form von „Ausatmen“ zeigt Entspannung.

Macht mal die Probe: geht zu eurem Pferd und fühlt in euch hinein. Seht es zuerst an und interpretiert sein Bild. Dann dreht euch um und hört nur zu. Ihr werdet merken, dass ihr Informationen aufnehmt, die euch vorher nicht aufgefallen sind. Das ist kein Hokus-Pokus, sondern Fokussieren. Je mehr wir uns in unserem Fokus trainieren, desto besser werden wir in der Arbeit mit unseren Pferden sein.

2014-09-11 18.58.12

Entspannt, aber die Ohren 100%ig auf Empfang

Lenina01 hat auch etwas zum Thema Gefühl geschrieben und fragt: Haben wir vergessen zu fühlen?

2 Kommentare zu Vertraue deinem Gefühl

  1. Stimmt, man entwickelt ein Gefühl dafür. Wobei mich manche Pferde mit Verhaltensweisen überraschen, die ich so nie kategorisiert hätte. Eine Stute beispielsweise beißt links und rechts nach Pseudo-Fliegen, wenn ihr der Druck zu groß wird und sie ein Ventil braucht. Sie kann den Kopf auch sehr tief tragen und trotzdem unter großem Stress stehen. Wie gut, dass wir nie auslernen und unsere Pferde uns immer etwas zu sagen haben!
    VG! Nadja

    • Ja, das stimmt! Manchmal passt die „allgemeine Interpretation“ nicht. Ich kenne auch Pferde, die gelernt haben dass sie in Ruhe gelassen werden sobald sie den Kopf fallen lassen. Nach dem Motto: ich bin müde, lass uns aufhören. Das nennt man dann klassische Reiter-Erziehung 😀

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Haben wir vergessen zu fühlen? - Lenina01.at

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Werde Fan auf Facebookschliessen
oeffnen