Wenn dein Pferd neben dir träumt… Momente für die Schatztruhe

Gestern Abend war ich spät am Stall. Ich musste dringend noch Futter vorbereiten und stand bis 21:30h in der Futterkammer. Es war dank des Mondes relativ hell, ich konnte die Pferde hören, wie sie ruhig ihr Heu knabberten. Dann und wann quietschte eine der Stuten, wenn die Wallache zu frech wurden. Ein wunderschöner Moment, im Dunkeln am kalten Stall, völlig eingehüllt von der Welt der Pferde.

Als ich fertig war wollte ich mich von Suri verabschieden. Ich hatte in den letzten Tagen nur wenig Zeit, und die Süße hat nicht viel von mir gesehen. Wenigstens ein kleines Streicheln über die Nase… Ich ging also über das Paddock und suchte meine Stute. Sie stand schon in „ihrer“ Box, die meine Freundin gemistet und frisch eingestreut hatte. Eigentlich haben wir keine eingestreuten Boxen, aber Suri schläft gern liegend und auf dem harten Boden scheuert sie sich sonst die Haut an den Gelenken auf. Als ranghöchste Stute hat sie also kein Problem, eine schöne warme Box für sich einzunehmen.

Ich kam um die Ecke und Suri starrte mich erschrocken an. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass noch ein Mensch am Stall war. Ich machte meine Stirnlampe aus, um sie nicht zu blenden, und trat neben sie. Ihr Hals war angespannt, also begann ich sie zu massieren. Mit langen Strichen knetete ich ihre Halsmuskulatur, bis sie ihren Kopf entspannt fallen ließ. Erst auf der linken Seite, dann wechselte ich auf rechts. Ich merkte, wie müde meine Stute war. Immer wieder schloss sie die Augen und seufzte entspannt.

Und dann passierte etwas, worauf ich nicht vorbereitet war.

Suri knickte mit ihren Beinen ein und legte sich hin, sank sanft in das frische Stroh.

Vor Rührung über diese Geste des Vertrauens schoßen mir die Tränen in die Augen. Ich hatte sie schon oft liegen sehen, aber sobald ich kam stand sie sonst immer auf. Jetzt legte sie sich direkt neben mir hin!

Ich hockte mich neben sie und kraulte ihren Kopf, die Stirn und zwischen den Ohren. Sie seufzte tief, legte ihre Nüstern in das Stroh und schloss die Augen.

Dann kam der zweite, innige Moment in diesen Minuten: Suri begann zu träumen! Ihre Ohren zuckten schnell, sie schlug mit dem Schweif, atmete ganz tief und bewegte sogar ihre Beine. Der tiefe Schlaf neben mir dauerte nur knapp eine Minute. Ich hockte still neben ihr und wachte über mein Mädchen. Sie wachte auf, starrte mich kurz an, so dass ich sie beruhigend ansprach. Meine Murmelei schien sie zu mögen, sie schloss wieder die Augen und schlief nochmal tief ein.

Der Moment war atemraubend.

Ich hatte kein Fotoapparat dabei, doch selbst wenn, ich hätte ihn nicht genutzt. In der Dunkelheit hätte das Blitzlicht diesen Moment des Vertrauens zerstört.

Nach der zweiten Schlafphase kraulte ich sie kurz und stand dann auf. Sie schaute mich entspannt an und blieb in ihrem Bett liegen.

Auf dem Weg nach Hause konnte ich nicht aufhören zu lächeln. Einen so wunderbaren Moment mit einem Pferd hatte ich noch nie. Suri hat mir gestern Abend etwas geschenkt, was ich nie vergessen werde.

 

Sophie hatte mit ihrem Soudi auch so einen Zaubermoment. Davon lest ihr hier auf Chevalie.

4 Kommentare zu Wenn dein Pferd neben dir träumt… Momente für die Schatztruhe

  1. Liebe Akki, da musste ich sofort mitlächeln, als ich Deinen Text gelesen habe. Wie wunderschön! Ganz liebe Grüße und danke, dass Du den schönen Moment mit uns geteilt hast, Petra

  2. Liebe Akki das ist wirklich schön . Da ich meinen Chick schon von Fohlen an habe , kenne ich diese Momente und ich liebe sie . Er schläft schnarchend tief und fest wenn ich neben ihm auf dem Boden sitze .

    • Oh Anke, das ist ja toll! Ich kannte so etwas vorher nicht. Aber es ist einfach wunderschön, wenn ein Pferd so viel Vertrauen zu dir hat!

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Pferdehaltung: Ist der Offenstall das Non-Plus-Ultra? | Fü(h)rPferd Horsemanship

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