Hengsthaltung

In der Wildbahn lebt ein Hengst mit einer Herde Stuten zusammen. Der Leithengst bewacht die Herde, treibt sie von hinten an und stellt sich Gefahren, um die Stuten und seine Fohlen zu schützen.

In der heutigen Hengsthaltung werden Deckhengste häufig in „Einzelhaft“ gehalten. Sie werden von Stuten und Wallachen separiert, haben kaum Weidegang und kennen Stuten höchstens vom „Natursprung“, also dem realen Deckakt.

Viele Privatleute trauen sich heute wieder, einen Hengst zu halten. Vor allem Privatzüchter, die aus ihrer Stute ein Hengstfohlen gezogen haben, entscheiden sich immer häufiger für das „Projekt Hengst“. Leider treffen sie dabei immer wieder auf Vorurteile, so dass die Haltung im Offenstall oder in der Herde sich schwierig gestaltet.

In freier Wildbahn sondern sich Junghengste von der Herde ab und bilden eine „Junggesellenherde“. Hier wird gespielt und der Kampf geübt, bis einer der Junghengste versucht, einem Althengst die Stutenherde wegzunehmen. Diese Kämpfe enden im ärgsten Fall mit so schlimmen Verletzungen, dass einer der Kämpfer nicht überlebt. Dies kommt jedoch selten vor: Normalerweise zieht der schwächere Hengst sich zurück und greift entweder im kommenden Jahr wieder an, wenn der Althengst älter und schwächer wird, oder er sucht sich eine andere Herde und probt dort den Übergriff.

Ein Hengst in Menschenhand kann sozialisiert werden. Es liegt zum einen an seiner Erziehung, zum anderen an seinem Charakter, ob er in der Herde leben kann. Wenn ein Junghengst mit älteren Stuten auf der Weide gehalten wird, wird er meist von den Stuten erzogen. Sollte er es wagen, die Stuten zu bedrängen oder bespringen zu wollen, werden selbstbewusste, hochrangige Stuten den Jungspund zurechtweisen, was nicht selten in böser Prügelei endet. Dies passiert jedoch nur einmal, da die Grenzen dann gesteckt sind. Je nach Größe muss der Hengst irgendwann von den Stuten getrennt werden, da es sonst in der Rosse zum Natursprung kommt.

In der Wallachherde passen sich viele Junghengste an. Sie konkurrieren nicht mit den Wallachen sondern kopieren deren Verhaltensweisen. Im bestmöglichen Fall fällt ein Junghengst in der Wallachherde nicht auf.

Selbst die Sozialisierung von älteren Hengsten, die die Einzelhaft gewohnt waren, ist je nach Charakter möglich. Nicht zu vergessen: Ein Hengst in der Stutenherde wird rossige Stuten decken, egal wie alt er ist. In der Wallachherde geschieht das logischerweise nicht.

In einer Schweizer Studie wurden Hengste in einer Gruppe zusammen geführt. Nach anfänglichem Gerangel und Gequietsche hat es nur 30 min. gedauert, bis sich die Tiere alle kennen gelernt hatten und ruhig zusammen standen. Nach nur 2 Stunden war absolute Ruhe eingekehrt. Hier seht ihr die Ergebnisse: https://www.facebook.com/photo.php?v=569193863124077&set=vb.206365612747004&type=2&theater, http://www.thehorse.com/articles/31929/study-pasturing-stallions-together-is-possible

Beim Eingliedern in die Herde verfährt man am besten wie bei der Eingewöhnung eines Fremdpferdes in eine neue Herde: erst wird der Hengst neben die Herde gestellt (ein fester Zaun ist hier von Nöten, da Hengste meist sehr selbstbewusst sind). Mit Sichtkontakt, dann über Beschnuppern und letztendlich einzelnes Kennen lernen kann ein Hengst in vorsichtigen Schritten an die Herde gewöhnt werden. Wichtig ist vor allem die ständige Beobachtung, damit Jagen oder Prügeleien unterbrochen werden können. Wichtig ist jedoch, dass immer auf den Charakter der einzelnen Tiere Rücksicht genommen wird: nicht jeder Hengst lässt sich integrieren, und auch nicht jeder Junghengst lässt sich von Stuten erziehen. Es ist immer vom Einzelfall auszugehen.

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