Neues Jahr… wo bleibt das Glück???

Wieder ein Rückschlag: Diagnose Genmutation

Mir war klar, dass mein Pferd nicht gesund ist. Dass ich sie als „Notfall“ geschenkt bekommen habe mit Blockaden, Sarkoiden und völlig unerzogen. Wir haben fast drei Jahre lang gearbeitet, hatten unsere Höhen und Tiefen und nun hatte ich das Gefühl, endlich am Gipfel angekommen zu sein! Ich kann Missouri reiten, die Freiarbeit ist super und ich würde sie allzu gern auf Demos vorstellen.

Mehr als erwartet

Das ist weit mehr, als ich im Juni 2013 erwartet hatte. Damals dachte ich dieses Pferd nie reiten zu können. Ich bin so dankbar, dass sie sich so toll entwickelt hat. Und aus dieser Entwicklung erwachsen Träume. Was wäre, wenn… Wer hat das nicht selbst schonmal gedacht? Missouri ist der Grund, warum ich dort stehe, wo ich bin. Durch sie bin ich zu einer besseren Trainerin geworden. Sie ist so ausdrucksstark im Gesicht, so genau in ihren Antworten auf meine Fragen, und auch so launisch wie es nur Stuten sein können. Warum bin ich nicht glücklich?

Eine Diagnose, die alles verändert

Bereits im November habe ich festgestellt, dass es Suri nicht gut geht. Sie lief steifer als sonst, belastete ihre Vorhand sehr stark, entlastete das rechte Hinterbein, zeigte aber keine Lahmheit. Meine Huforthopädin fand nichts, der Tierarzt stellte nichts fest, ich ließ sie orthopädisch und nach traditioneller chinesischer Medizin behandeln (was ihre allgemeine Stimmung stark verbesserte, ihr Krankheitsbild aber nicht). Ich war ratlos. Wenn ich mit ihr arbeitete, lief sie sich schnell ein und war voller Motivation bei der Sache. Bis zu dem Tag, als ich sie wieder verladen wollte. Der Stresspegel war so hoch, dass sie plötzlich ein seltsames Symptom zeigte: es war wie ein Zittern, dass durch ihren ganzen Körper ging, aber die Muskulatur schien zu schwimmen. Eine Wellenbewegung, die vor allem die Hinterhand erfasste, aber auch im Hals und am Rücken zu sehen war.

Ich hatte so etwas noch nie gesehen, aber Suri war gleichzeitig völlig ruhig und extrem bockig. Sie hatte sich schon im Oktober geweigert, in den Hänger zu steigen (als ich zur Demo-Veranstaltung bei Krämer wollte). Dieses Verhalten wurde immer schlimmer… was war nur los?

Analyse Gesundheitszustand

Meine Baustellen-Analyse: wo erkenne ich was?

Ich schilderte meine Beobachtung einer Tierärztin, die mir riet, Suri auf HYPP zu untersuchen. HYPP ist ein Gendefekt, den der Quarter Horse-Hengst „Impressive“ an seine Nachkommen vererbt hatte. Der Defekt verursacht eine Störung im Natrium-Ionen-Kanal der Muskulatur und kann das von mir beobachtete Muskelschwimmen auslösen.

Kein HYPP, aber PSSM

Mein Tierarzt entnahm eine Blutprobe und das Labor meldete sich nach wenigen Tagen. Anstatt nur HYPP zu testen wurde auch PSSM getestet. PSSM ist eine andere Genmutation, die verstärkt bei Westernrassen auftritt, aber auch bei Kaltblütern und Warmblütern erkannt wurde. PSSM ist eine Stoffwechselerkrankung in der Muskulatur, bei der Mehrfachzucker nicht komplett verstoffwechselt, sondern zum Teil in den Muskelzellen eingelagert wird (Glucogen-Speicher-Störung, eine interessante Erklärung findet ihr auf der Homepage dai-shodan). Das Ergebnis: Suri hat die Mutation, jedoch glücklicherweise nur in einem Allel (sie ist also N/PSSM). Was nun folgt, ist eine komplette Analyse ihrer Fütterung, ihres Trainings, ihrer freien Bewegung, ihres gesamten Lebens also.

Recherche PSSM

Recherche zu PSSM / EPSM

Was nun?

Ich habe keine Worte für das, was ich gerade empfinde. Ich fühle mich überfordert, bin traurig und auch enttäuscht. Kennt ihr das, wenn man irgendwie an Gerechtigkeit glaubt? Es ist einfach nicht gerecht, dass Suri mit so vielen Baustellen zu kämpfen hat. Wir haben uns schon so viel erarbeitet, und jetzt kommt immer noch etwas Neues dazu.

Trotz. Das einzige, was ich jetzt an den Tag legen werde, ist Trotz. Wieder werde ich mich einlesen, mit Experten sprechen, eine Lösung für dieses wunderbare Pferd finden. Ich habe ihr vor 3 Jahren versprochen, dass alles gut wird. Dieses Versprechen werde ich halten.

 

Hat jemand von euch ein Pferd mit PSSM oder speziell EPSM und kann mir Tipps geben? Je mehr Erfahrungsberichte, desto besser. Ich zähle auf euch! 

 

16 Kommentare zu Neues Jahr… wo bleibt das Glück???

  1. Liebe Akki,
    Das tut mir so leid für euch! Nun verfolgen wir euren Weg schon so lange und man wünscht sich ja immer, dass alles gut wird. Solche Rückschläge braucht echt kein Mensch (oder Pferd). Und ich weiß ja nun leider auch aus eigener Erfahrung wie sehr es einen belastet wenn es den Pferden nicht gut geht. Aber Trotz ist bestimmt die beste Reaktion, die auf so eine Diagnose möglich ist. Und deshalb bin ich mir auch sicher, dass wirklich alles gut wird. Weil ihr beide so stark seid und auch ein bisschen stur… 😉 Und wenn ihr euch in den Kopf gesetzt habt, dass alles gut wird, dann wird es das auch! Unsere Daumen, Hufe und Pfoten sind auf jeden Fall gedrückt. Alles Liebe für euch beide!
    Soudi und Sophie

    • Fü(h)rPferd // 12. Januar 2016 um 22:48 // Antworten

      Liebe Sophie,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Du hast recht, wir sind beide ein bisschen stur ;), wir packen das jetzt auch noch. Ich hoffe, bei Soudi ist alles wieder gut? Ist er nach dem Klinikaufenthalt wieder zu Hause? Euch auch alles Liebe!

  2. Liebe Akki ich wünsche dir und Suri alles liebe und bin mir sicher das ihr das mit eurem Willen und mut schafft auch diese Klippe zu umschiffen 😘

  3. Meine Cousine hat ein schwer krankes Kind. Das sich dank ihrer Pflege und ihres Engagements prächtig entwickelt. Und so unfair das auch irgendwie ist, weil sie so ein Schicksal nicht verdient hat, das Kind hat die besten Eltern vorstellbar. Und das ist dann wieder gerecht. Was ich sagen will: Bei jemand anderem ginge es Suri vermutlich schlecht. Mit dir hat sie jemanden, der das Optimale für sie rausholt. Du bist für sie die beste Lösung. (ich hoffe, das ist jetzt nicht zu pathetisch :D).

  4. Liebe Akki,

    das tut mir so furchtbar leid! Ich kann total gut verstehen, dass du erst mal am Boden zerstört bist.
    Aber ihr zwei, du und Suri, ihr seit Kämpferinnen! Und ich bin mir sicher, ihr werdet auch dieser Krankheit in den Hintern treten!
    Es wird bestimmt keine einfache Zeit, aber ich glaube fest an euch und drücke ganz fest die Daumen!

    Liebe Grüße,
    Christina

  5. Birgit Buescher // 12. Januar 2016 um 22:56 // Antworten

    Liebe Akki, wie du weißt habe ich mich wegen Jil auch mal intensiv mit der Erkrankung befasst. Ganz vereinfacht gesagt handelt es sich ja bei dieser Erkrankung um einen Gendefekt , der aber erst zum Tragen kommt wenn Ernährung und Bewegung in Ungleichgewicht geraten. ..also letztlich eine Zivilisationskrankheit (ähnl. wie bei uns Menschen Typ 2 Diabetes). Zwei gute Berater in Bezug auf Ernährung sind Balance 4animal oder Pernaturam…✊✊✊

    • Fü(h)rPferd // 14. Januar 2016 um 10:43 // Antworten

      Hi Birgit,

      oh, das wusste ich nicht? Jil hat aber keine Genmutation, oder?
      Also dem Vergleich mit Diabetes Typ 2 kann ich jetzt nicht zustimmen, ich sehe das etwas anders. Aber ich denke auch, dass wir das gut in den Griff bekommen werden. Habe Suri gestern mit in die Halle genommen, eine Freundin hat sie während meiner Unterrichtsstunde 45min lang warmgeritten, und dann habe ich noch mit ihr gearbeitet. Suri war total happy und entspannt, endlich durfte sie wieder laufen! Es war so schön!

      Wir bekommen das hin. Ich bin total zuversichtlich. Nur die erste Diagnose war ein Schock.

      Liebe Grüße!

  6. Anna-Lena Klasing // 13. Januar 2016 um 13:22 // Antworten

    Hi Akki,
    mensch das tut mir Leid für euch aber ich finde es gibt schlimmere Diagnosen. PSSM ist gut behandelbar, dein Pferdchen kann damit schmerzfrei alt werden und sollte reitbar sein.
    Ich wünsche dir viel Kraft.
    Gruß lena

    • Fü(h)rPferd // 14. Januar 2016 um 10:40 // Antworten

      Hi Anna-Lena,
      du hast recht: PSSM ist kein Weltuntergang. Aber die Diagnose das erste Mal zu hören ist schon ein Schock. Ich werde jetzt zu allem anderen noch Futter-Expertin ;).

      Liebe Grüße!

  7. Liebe Akki,

    es tut mir wirklich sehr leid für euch! Kopf hoch, ihr schafft das.

    Leider ist es eine weit verbreitete Erkrankung bei Quarter Horses. Schlimm finde ich auch, dass mit Tieren die sich einen Namen gemacht haben und PSSM Träger sind, trotzdem weiter gezüchtet wird.

    Liebe Grüße
    Claudia

    • Fü(h)rPferd // 14. Januar 2016 um 10:39 // Antworten

      Hi Claudia,

      danke dir, es wird schon. Ich finde es auch unverantwortlich, was in der Zucht passiert. Auch Pferde mit Sakkoiden sollten nicht zur Zucht eingesetzt werden, das ist jedenfalls meine Meinung. Suris ES sind ja noch harmlos, aber was ich in den letzten Jahren gesehen habe ist keine Kleinigkeit. Vor allem ES an den Augen bzw. im Gesicht führen häufig zu dramatischen Verläufen. Bei PSSM scheint es ähnlich zu sein, manche Pferde haben Glück, andere weniger… Ich zähle Suri mal zu den Glückspilzen ;).

      Liebe Grüße!

  8. Liebe Akki,

    was für ein Pech! Ich habe aber gehört, dass man bei PSSM mit einer Futterumstellung gut helfen kann. Alles Gute euch beiden!

    Liebe Grüße
    euer Pfridolin

    • Fü(h)rPferd // 14. Januar 2016 um 10:37 // Antworten

      Hi Pfridolin,

      da hast du recht! Ich hab mich jetzt mal richtig eingelesen, und ich denke, das bekommen wir hin. Ich scheine durch die Sarkoidbehandlung schon viel richtig gemacht zu haben, denn da habe ich ja auch auf ihr Futter geachtet… und sie hatte kaum Symptome.
      Ich war nur so geschockt, weil das erste, was ich zu PSSM gelesen habe, eine Erfahrungsgeschichte war, in der das Pferd starb… Das macht nicht wirklich Mut. Letztlich ist es wie mit den Sarkoiden: erkennen, behandeln, damit leben :).

      Liebe Grüße auch an Stuti und Else 😉

  9. Hallo Akki,
    lese gerade wieder wie so oft auf Deiner Homepage.
    Ich drücke Euch die Daumen dass alles gut wird.
    Liebe Grüsse, Gaby

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