Aufgeben ist keine Option: Die Widrigkeiten meiner ersten Event-Vorführung

Die Vorbereitungen laufen glatt

Ich habe mich getraut. Ich habe nun schon so lange mit Suri trainiert, dass ich uns und unsere Arbeit der Öffentlichkeit live vorstellen will. Daher habe ich mich bei Krämer, einem großen Reitsportanbieter, gemeldet. Die Ladenlokale feiern ihre Jubiläen immer mit besonderen Rabattangeboten und einem Rahmenprogramm. Hier treten Trainer und bekannte Pferdemenschen auf. Und am Freitag, 16. Oktober war es auch für mich soweit: ich durfte eine Horsemanship-Vorführung geben. Endlich konnten Suri und ich vor Publikum zeigen, was wir können! Aber es kam ganz anders…

Krämer

Die Vorankündigung unserer Vorführung im Werbeheft

Die Vorbereitungen liefen gut. Ich habe mit Suri tolle Bodenarbeitsübungen trainiert, hatte mir eine Einführung, einen Ablauf und einen Schlussteil überlegt. Suri hat in der Woche super mitgearbeitet, wir waren richtig gut drauf! Ich habe den Freitag herbeigefiebert! Einen Hänger habe ich von TR Reitsport in Erftstadt gestellt bekommen, einen tollen neuen Humbaur Xanthos Aero. Der Hänger ist schön hoch und hell, bietet tolle Kopffreiheit für das Pferd und liegt gut hinter dem Auto auf der Straße (wer ihn leihen möchte, meldet sich einfach bei Thomas. Es lohnt sich 🙂 ).

Der Leihhänger von TR Reitsport

Der Leihhänger von TR Reitsport

Der Tag der Tage

Am Freitag standen wir dann pünktlich mit Sack und Pack auf dem Hof und wollten verladen. Suri wurde geputzt, der Schweif ordentlich verpackt (Suri klemmt sie ihre paar Schweifhaare immer in der Hängerklappe ein und reißt sie damit aus. Ein Schweifschoner schützt hier die paar Haare, die sie als Appaloosa hat, vor größerem Schaden). Das Verladen begann gut, Suri startete wie immer und ging ein paar Schritte vor und wieder zurück. Normalerweise ist sie spätestens nach einer halben Stunde entspannt auf dem Hänger. Ich habe ihr immer Zeit gelassen, weil sie noch nicht viel Erfahrung hat. Doch am Freitag zeigte sie, wie stur sie ist: Partout wollte sich nicht im Hänger bleiben! Sobald sie komplett im Hänger stand, schoss sie rückwärts wieder nach draußen! Das Tempo, was sie dabei vorlegte, war filmreif!

Ich blieb entspannt, schließlich habe ich schon viele Pferde auch in stressigen Situationen verladen. Immer wieder ließ ich sie einsteigen – doch Suri ließ nicht zu, dass wir die Stange hinter ihr schlossen. Nach 1,5 Stunden hatten wir einfach keine Zeit mehr, weiter mit ihr zu trainieren. Nachdem sie kurz im Hänger stand (natürlich ohne geschlossene Stange), lud ich sie aktiv aus und brachte sie zurück zur Herde. Wir mussten los, die Zeit drängte! Um 14:30h sollte die Vorführung starten, und es war schon 13h!

Plan B: Nadines 4-jähriger Wallach Mash

Schon vorher hatte ich mit Nadine besprochen, dass, falls etwas schief laufen sollte, ihr Jungpferd Mash mitfahren sollte. Mash ist erst 4 Jahre alt. Er wird seit seiner ersten Trainingsstunde von mir begleitet und ist ein tolles, entspanntes Reitpferd geworden. Allerdings hat er erst einmal seinen Stall verlassen und ist, wenn er sich nicht auskennt, sehr unsicher. Wenn er angespannt ist, hört er  nicht zu – nicht die allerbeste Voraussetzung für eine Vorführung 😉 .

Wir holten Mash also direkt von der Koppel. Ungeputzt und völlig entspannt stieg Mash in den Hänger. Das hatte ich mir von Suri auch gewüscht!

Improvisation ist alles!

Wir kamen – natürlich zu spät – in Leverkusen an. Ich hatte vorher angerufen und meine Demo wurde um eine halbe Stunde nach hinten verschoben. Da war ich also: die Trainerin, die ihr eigenes Pferd nicht verladen konnte und nun mit einem ungeputzten 4-Jährigen in den Ring stieg! Die Situationskomik war kaum zu überbieten, ich nahm es mit Humor 😀 .

Mash konnte sich aufgrund der knappen Zeit leider nicht mit mir den kleinen Sandplatz anschauen, sondern wir gingen direkt hinein und ich bekam ein Mikrofon angesteckt. Völlig darauf konzentriert, die Technik richtig zu befestigen, achtete ich nicht auf den kleinen Wallach – und verpatzte die erste, entscheidende Situation. Mash fragte mit seiner Körpersprache, ob er bei mir bleiben muss oder gehen könnte. Ich beachtete ihn nicht (der Empfänger des Ansteckmikros wollte einfach nicht in meine Hosentasche). Also entschied Mash selbst: er drehte sich mit Schwung von mir weg, riss mir das Seil aus der Hand und trabte fröhlich an den Rand, um dort zu grasen. Ich wusste in diesem Moment, dass ich es versaut hatte. Trotzdem holte ich ihn wieder zu mir. Er legte sich direkt wieder ins Seil, nutzte seine Stärke und haute ab. Na toll! Was für eine Blamage!

Ich musst trotzdem grinsen. Der kleine Mann machte es mir zwar schwer, aber böse konnte ich ihm nicht sein. Es war schließlich mein Fehler! Also entschied ich mich für Freiarbeit. Mein gesamter Vorführungsplan wurde über den Haufen geschmissen. Egal, Halfter ab und los geht’s.

Ohne Halfter im Ring: der kleine Mash

Liberty statt Seil-Basics

Am Rand des Rings, innerhalb der Umzäunung, stand ein schöner Grasrand. Anstatt mit mir zu arbeiten, wollte Mash sich lieber mit dem satten Grün den Magen vollschlagen. Ich trieb ihn ein paar Mal vom Rand weg, er lief einen Bogen und kehrte wieder zum Gras zurück. Manno, das wird ja immer schöner! Tom Büchel, Horseman und Moderator des Tages, kam mir zu Hilfe und besorgte Absperrband. Denn Mash mit 4 Hufen war natürlich schneller als ich auf 2 Beinen – das konnte ich hier schön am Beispiel erklären. Immerhin fiel mir zu jeder Situation der passende Kommentar ein. Die Zuschauer waren amüsiert.

Im verkleinerten Ring ging es dann endlich los. Mash war bei mir, ließ sich wegschicken, kam zurück, zeigte sein schönstes Rückwärts und war auch so recht entspannt. Lediglich die vielen Menschen, deren Anwesenheit und Ausrichtung auf uns einen enormen Druck auf ihn ausübten, verhinderten, dass er nach außen an den Zaun ging. Trotz allem machte er seinen Job hervorragend!

Mash wendet sich ab…

…und kommt wieder zu mir zurück.

Wir haben innerhalb von 40 Minunten über Wer-bewegt-wen, Tempo und Richtungsbestimmung und das Lesen des Pferdegesichts gesprochen. Die Zuschauer waren sehr interessiert und keiner hat vorzeitig die Vorführung verlassen. Es scheint also offensichtlich interessant gewesen zu sein 🙂 .

Müde, aber glücklich

Am Schluss der Vorführung haben wir Mash dann in einem kleinen Paddock am Rand „geparkt“. Der kleine Mann war trotz der Aufregung, der vielen Menschen und der ungewohnten Umgebung sehr lieb und freundlich. Im Anschluss ist er auch direkt in den Hänger gestiefelt und wir konnten entspannt nach Hause fahren.

Geschafft!

Der Tag selbst war sehr anstrengend und lehrreich. Ich bin keineswegs enttäuscht, dass der Tag so holprig verlaufen ist. Trotz allem habe ich in keiner Situation gegen meine Grundprinzipien verstoßen. Das Wohl der Pferde stand immer im Vordergrund, weder Suri noch Mash wurden zu etwas gezwungen, was sie nicht leisten konnten oder wollten.

Natürlich werde ich mit Suri in den Folgewochen das Verladen üben. Ich bin selbst schuld, denn ich habe das vernachlässigt. Auch werden wir viel unterwegs sein, um an fremden Orten zu üben und unsere Trainingsweise zu zeigen. Wer also im Raum Köln-Bonn eine Vorführung von Suri und mir buchen möchte, meldet euch gern! Denn die nächste, offizielle Show kommt bestimmt. Da müssen wir vorbereitet sein 🙂 !

 

6 Kommentare zu Aufgeben ist keine Option: Die Widrigkeiten meiner ersten Event-Vorführung

  1. Deine Vorführung war einfach echt, es hat Spaß gemacht zuzuschauen, auch wenn dein Plan ein ganz anderer war. Du hast erstklassig improvisiert und das beste herausgeholt. Unser Stall hätte sicherlich Interesse an einer Vorführung von dir und Suri. Können wir beim nächsten Training ja mal besprechen 😀

    • Hi Catrin,

      vielen Dank 🙂 ! Es hat auch Spaß gemacht sie zu zeigen, auch wenn es etwas stressig war. Beim nächsten Mal wird’s besser! Auf jeden Fall bin ich an eurem Stall dabei, das wird toll! Danke!

  2. Hey Akki, das klingt ja nach Murphys Law vom Feinsten – aber toll, dass du einfach entspannt da durch bist. Hut ab!!! Ich finde ja fast sogar das Thema, was es dann wurde, viel spannender – das dürfte viele Pferdemenschen sehr interessieren. Vielleicht wird aus dem ersten Versuch ein neues Show-Konzept 🙂 über Pferde-Motivation und Kommunikation 🙂 Liebe Grüße und tschaka!! Petra

    • Hi Petra,

      danke dir, so habe ich das noch gar nicht betrachtet. Murphys Gesetz, du hast recht! 😀
      Ja, das ist ne gute Idee. Ich mach da ne Show draus. Gebt mir ein Pferd, dass sicher nicht mitmacht, und ich entertaine euch damit ;).

      Ganz liebe Grüße!

  3. Ich bewundere sehr, dass du dir treu geblieben bist und kein Pferd zu etwas gezwungen hast.
    Ich finde es wirklich schwierig fair und geduldig zu bleiben, wenn man Gefahr läuft als inkompetent oder dumm dazustehen. Wir Menschen sind es gewöhnt, uns schnell aus allem rauszureden oder es zu überspielen und vertuschen, statt den eigenen Fehler einzugestehen und ggf. die Konsequenz selber zu tragen. Vor allem bei Schwächeren, die sich nicht wirklich wehren können.
    Ich finde du warst ein tolles Vorbild für mich und wenn ich mal wieder in eine Situation komme, wo ich mich entscheiden muss, dann werde ich an dich denken. Ich hoffe nämlich, dass mein Pferd und meine Liebe und Sorge zu ihm mich wirklich zu einem besseren Menschen macht wie ich es mir erhoffe und da helfen Vorbilder enorm.
    Für Außenstehende sind solche Pannen meistens gar nicht so schlimm, wie für einen selber, habe ich gemerkt. Und wenn man dann wie du, die Dinge ehrlich beleuchtet und kommentiert, dann lernen alle etwas dazu und durch Fehler oder Pannen lernt man meist sogar mehr, als wenn alles klappt. Das war jedenfalls meine Erfahrung bisher.

    Viel Erfolg für die nächsten Male.
    Susi

    • Hallo Susi,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Du hast recht: oft machen wir viele Dinge nur, weil wir in den Augen unserer Mitmenschen etwas „richtig“ machen wollen. Sehr lustig ist, dass ich in diesem Moment bei der Vorführung zwar daran gedacht habe, alles korrekt zu machen. Daher habe ich auch das Halfter ausgezogen und mit Mash frei weiter gearbeitet. Das Witzige daran: für alle Umstehenden erschien diese Aktion völlig unlogisch! Das haben mir meine Freunde erzählt, die im Publikum standen. Mein Denken im Umgang mit Pferden hat sich über die Jahre so gewandelt, dass ich gar nicht erkannt habe, dass ich dies erklären müsste. Auch eine tolle Erfahrung aus diesem Tag.

      Ich sehe mich selbst nicht als Vorbild. Aber so, wie du das beschrieben hast, möchte ich gern dein Vorbild sein. Wenn wir alle mehr zum Wohl der Pferde handeln und weniger, um unser Ego zu polieren, machen wir die Welt ein Stückchen besser.

      Ganz liebe Grüße,
      akki

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