Gebisslose Zäumung

Immer häufiger werde ich gefragt, ob die Umstellung oder Ausbildung eines Pferdes auf eine gebisslose Zäumung kompliziert sei und ob das Handling mit dem Pferd dann nicht schwieriger wird. Daher habe ich mich entschieden, euch die gängigsten Varianten von gebisslosen Zäumungen vorzustellen.

Ich bin kein Gegner des Gebissstücks. Ich habe klassisch reiten gelernt, auf Schulpferden mit Trensenzäumung inkl. doppelt oder einfach gebrochenem Gebissstück. Mit den Jahren habe ich mich gefragt, warum wir die Pferde mit Ausbindern einschnüren, sie mit der Gerte treiben oder ihnen Sporen in die Seite drücken. Ein so sanftes Tier wie das Pferd kooperiert eigentlich sehr gern mit dem Menschen. Warum sind diese Hilfsmittel nötig

Die Antwort ist einfach: sie sind nicht nötig. Ein guter Reiter braucht lediglich ein Pferd, und sonst NICHTS! Keinen Sattel, keine Trense, keine Sporen. Wir haben gelernt, dass wir unsere Pferde mit dem Druck des Gebissstücks im Maul besser stoppen können. Es wirken mehrere Kilo Gewicht auf einen kleinen Druckpunkt im Maul, direkt auf das empfindliche Zahnfleisch. Das erzeugt Schmerzen. Wenn das Pferd gelernt hat, dass die Schmerzen sich verringern wenn sie nachgeben, dann geben sie nach. Aber wollen wir unsere Pferde mit Hilfe von Schmerzen steuern?

Ich möchte niemanden aufrufen, heute einfach auf das nackte Pferd zu steigen und so zu reiten. Die meisten Pferde haben nicht gelernt den Reiter ohne Hilfsmittel zu verstehen. Eine Umstellung muss im Training erfolgen, erst vom Boden aus, dann vom Sattel. Der Reiter muss die Wirkungsweise des gebisslosen Kopfstücks verstehen, um dann richtig damit umgehen zu können.

Jedes Pferd kann auf ein gebissloses Kopfstück umgestellt werden. In den alten Reitschulen, wie z.B. die Wiener Hofreitschule, werden Jungpferde erst gebisslos ausgebildet, um dann langsam an das Metall im Maul herangeführt zu werden. Für ein junges Pferd ist es viel einfacher, nicht gleich mit dem Fremdkörper konfrontiert zu werden. Wenn es „frei im Maul“ ist, kann es sich besser auf die Signale des Menschen konzentrieren und sich diese auch besser merken. Auch ältere Pferde freuen sich, wenn sie ohne Metall im Maul trainiert werden. Es ist ähnlich wie beim Menschen: wenn wir in jungem Alter eine feste Zahnspange tragen mussten und diese uns Schmerzen bereitet hat, freuen wir uns auch wenn wir sie loswerden.

Um zu entscheiden, welche Art von Kopfstück man für sein Pferd auswählt muss vorher klar sein was ich damit tun möchte. Bin ich ambitionierter Dressurreiter, oder bilde ich mein Pferd in der Western-Reitweise aus? Jedes Kopfstück ist anders, und jeder Gebiss-Ersatz wirkt unterschiedlich auf das Pferd. Mit einigen sind feine Signale möglich, mit anderen kann der Reiter nicht punktgenau einwirken. Einige gängige gebisslose Varianten werde ich in den kommenden Wochen vorstellen.

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