Es gibt für alles eine Zeit… Meine Zeit zu springen

In allen anderen Artikeln teile ich mit euch mein Wissen und meine Überzeugung. Ich schreibe über artgerechtes, gewaltloses Pferdetraining. Über die Möglichkeit, mit Pferden über ein unsichtbares Band zu kommunizieren. Darüber, auf sich selbst zu hören und dieser Stimme zu folgen, egal wie viele Menschen am Rand stehen und dich schief anschauen.

Dieser Artikel wird anders.

Heute spreche ich nicht über Pferde, sondern über mich.

Meine Überzeugung ist im Bezug auf Pferde sehr gefestigt. In Bezug auf mein eigenes Leben ist sie es nicht.

Ich bin erzogen worden in dem Glauben, dass man für seine Freizeit arbeiten muss. Meine Mama sagte früher immer, ich darf dann in den Stall, wenn ich meine Hausaufgaben gemacht hatte. Ich machte meine Hausaufgaben zum Teil in den kurzen Pausen in der Schule. Als gute Schülerin war es kein Problem, die Aufgaben fielen mir nicht schwer und ich konnte so direkt nach dem Mittagessen zu meinem Pferd.

Diese Einstellung begleitete mich mein ganzes Leben. Ich arbeitete für meinen Abschluss, für meine Ausbildung, für mein Studium. Ich lernte Dinge, die mich auf eine Karriere im Büro vorbereiteten. Ich war gut, sogar sehr gut. Immer unter den Ersten, mit Auszeichnungen und Stipendien. Ich lernte gern, fand darin meine Erfüllung. Aber meine Passion liegt seit jeher woanders.

Ich versuchte, parallel meinen Traum zu leben. Die Pferde spielten immer eine Rolle, mal mehr und mal weniger. Sie kamen immer wieder, und im Jahr 2013 war Suri plötzlich da. Sie war der Startschuss, das weiß ich heute.

Mein Leben wandelte sich. Die Zeit im Büro wurde zur Qual, weil ich meine Arbeit viel schneller erledigen konnte als in acht vorgegebenen Stunden. Ich saß im Büro fest, aber nur in der Hälfte der Zeit war ich wirklich produktiv. Ich war wieder die Schülerin, die schnell ihre Hausaufgaben macht, um dann in den Stall zu dürfen!

Dabei dachte ich, ich bin doch jetzt erwachsen und darf selbst bestimmen? Wohl kaum. Mein konservativer Arbeitgeber gab mir zwar viel Freiraum und ich durfte sogar tageweise im Homeoffice arbeiten. Aber es reichte nicht.

Also entschied ich mich zu springen.

Ab Oktober diesen Jahres werde ich keine Angestellte mehr sein.

Seit der Entscheidung habe ich Angst. Kann ich mit meinem Traum genug Geld verdienen, um davon leben zu können? Ist es tatsächlich möglich, mit meiner Passion meinen Lebensunterhalt zu verdienen? Wirklich Spaß zu haben, während ich arbeite? Es kommt mir vor, als würde ich einen Süßigkeitenladen betreten und mich nicht trauen, etwas zu probieren!

Vielleicht geht es schief. Vielleicht aber auch nicht.

Ich habe eine Lieblingstextzeile von Flo Mega. In einem seiner Songs singt er:

„Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke“.

Es klingt seit Jahren in meinem Kopf. Ich verlasse jetzt den Weg, damit ich nicht auf der Strecke bleibe. Und ich freue mich über jeden, der mich begleiten will, um ein Stück mit mir zu gehen.

 

 

Das Gute ist: ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Sarah von verwandert.de läuft auch auf diesem Weg. Nicht mit mir, aber neben mir. Das ist ein sehr beruhigend. Ihre Gedanken hat sie auf ihrem Blog festgehalten: ihr Weg über den Zaun.

 

22 Kommentare zu Es gibt für alles eine Zeit… Meine Zeit zu springen

  1. Stefan Kremer // 6. August 2015 um 15:09 // Antworten

    Ich drück Dir ganz fest die Daumen! Auch wenn ich mir sicher bin, das Du das gar nicht brauchst. Nach deinem Sprung wirst Du nicht auf deinem neuen Weg gehen, Du wirst darüber fliegen. Wenn wir Dir in Sachen WordPress helfen können – immer gerne. Wir haben da seit Köln was zurückzugeben.

    • Fü(h)rPferd // 6. August 2015 um 15:15 // Antworten

      Oh Stefan, vielen vielen Dank! So schöne Worte! Wenn ich bei WordPress stolpere melde ich mich gern. Und ich finde nicht, dass ihr etwas zurückzugeben habt. Ich habe sehr viel Spaß gehabt und viel gelernt, immer und gerne wieder!

  2. Yeeeeha! Ich freue mich für dich! Klar, wird das nicht immer leicht. Ich habe auch immer mal wieder das Gefühl, in der Luft zu hängen. Gesprungen, aber noch nicht angekommen zu sein.

    Macht aber nichts. Denn der normale Bürojob ist einfach nichts mehr mich. Keine Chance. Und so nervig die Ungewissheit auch manchmal ist: Sie ist immer noch besser als mein Leben davor 🙂 Du wuppst das!

    • Fü(h)rPferd // 7. August 2015 um 09:35 // Antworten

      Liebe Sarah,

      wenn wir in der Luft hängen – dann fliegen wir doch, oder nicht?

      Danke dir, wir sehen uns im Oktober!

  3. Hi Akki,
    super geschrieben! Und lass Dir sagen, Du bist ganz und gar nicht alleine. Ich begleite Dich ebenfalls. Auch ich habe vor 5 Jahren meinen Sprung geschafft, nach 19 Jahren Abhängigkeit. Auch ich hänge immer wieder in der Luft, aber ich weiß auch, dass es richtig war! Wir rocken das!
    Ich drück Dir die Daumen!
    GLG
    Tina

    • Fü(h)rPferd // 7. August 2015 um 09:34 // Antworten

      Liebe Tina,

      vielen Dank für deine Untestützung! Du hast so recht, du läufst auch auf dem Weg neben mir! Es ist so toll, dass wir uns kennen. ich drücke dich!

  4. Nadine Wieland // 6. August 2015 um 17:25 // Antworten

    Liebe Akki,

    Wenn es einer schafft dann du! Ich kenne dich jetzt schon 3 Jahre und habe all deine Entwicklungen gelesen/mitbekommen. Du kannst mehr als stolz auf dich sein. Du hast nur das eine Leben also mach weiterhin das beste draus. Ich werde dir treu bleiben, denn du hast mir in der kurzen Zeit so viel gegeben und uns Mut gemacht . Seven, Bella und ich freuen uns schon riesig auf Oktober! Ich drücke dich ganz fest!!!

    • Fü(h)rPferd // 7. August 2015 um 09:33 // Antworten

      Liebe Nadine,

      ich freu mich auch schon so sehr auf euch!! Danke für deine aufmunternden Worte. Ich bin so froh, dass wir uns kennen!

      Liebe Grüße, akki

  5. Meine liebe Akki,
    vor einer Weile habe ich in einem Vortrag von Reinhold Messner gesessen und ein paar Sätze, die er zum Thema Angst gesagt hat, fand ich so gut, dass ich sie mir aufgeschrieben habe.

    Starte das Projekt. Je länger du wartest desto größer wird die Angst vor dem Projekt. Wenn du aktiv bist und losgehst, wird die Angst immer kleiner.

    Ich finde, er hat absolut Recht damit. Spring rein, leg los, in der Sekunde in der du startest verlierst du die Angst vor dem Projekt.

    Ich weiß, du wirst das schaffen und du wirst es wunderbar meistern, wie bisher jedes Projekt in deinem Leben. Wenn jemand das schafft, dann du. Also sorge dich nicht und freue dich auf den Moment, in dem du endlich deinen Traum leben darfst! Auf diesen Zeitpunkt warten manche Menschen ihr ganzes Leben und er tritt doch nie ein. Du bist mutig, dass du diesen Schritt wagst und ich finde es wundervoll, dass du dich entschieden hast, diesen Weg zu gehen.

    Und wenn du dann doch mal Erholung von Selbst- und ständig brauchst, dann weißt du ja, wo du immer Urlaub machen kannst.

    • Fü(h)rPferd // 7. August 2015 um 09:32 // Antworten

      Meine liebste Johanna,

      vielen vielen Dank! Jetzt musste ich ein kleines Tränchen verdrücken. Ich bin so froh, dass ich dich habe.
      <3

  6. Liebe Akki,

    ich bin noch nicht so mutig wie du, ich kann dich aber so gut verstehen! Ich drücke dir ganz, ganz fest die Daumen. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass es gut wird und du in einem Jahr sagen kannst, dass du glücklich bist, diesen Schritt gemacht zu haben.
    Chakka!

    Liebe Grüße
    Karo

    • Fü(h)rPferd // 7. August 2015 um 09:31 // Antworten

      Hi Karo,

      vielen Dank für deine lieben Worte! Ich sag dir nächstes Jahr Bescheid ;).

      Liebe Grüße, akki

  7. Liebe Akki, Tschaka!! Ich finde es toll, dass du deinen Weg gehst. Der erste Schritt scheint immer der schwerste, dabei vergessen wir immer wieder, dass im Leben sowieso ein Schritt auf den nächsten folgt. Es ist eben einfach ein Weg. Wir haben nur ein Leben, und ich finde, dass es die Aufgabe unseres Lebens ist, uns auch glücklich oder zufrieden zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. und es ist unsere Aufgabe, dem Leben die chance dazu zu geben. Das tust du gerade! Ich finds MEGA! Ich freue mich auf Oktober und schicke liebe Grüße, Petra

    • Fü(h)rPferd // 13. August 2015 um 10:11 // Antworten

      Vielen Dank, Petra! Genau, du hast so recht! Der Weg ist das Ziel! Was bringt es denn, im Alter auf das Leben zurückzublicken und zu sagen: „ich war eine tolle Angestellte und habe meinem Chef viel Geld eingebracht“? Ne, ich mach dann mal was Echtes.
      Ganz liebe Grüße!

  8. Ich freue mich sehr für Dich!!
    Ich war auf der Strecke geblieben! Erst als ich Krebs bekam, merkte ich was in meinem Leben alles nicht stimmte, wo ich überall auf alte Sätze gehört hatte, ohne es bewußt zu merken 🙁
    Ich wagte den Sprung aus der Abhängigkeit, es war noch eine Weile ein bisschen schwierig, aber bald zeigte sich immer deutlicher mein Weg.
    Heute nach 22 Jahren derzeit, bin ich lange überglücklich, dass ich es gewagt habe.. Und im Laufe der Zeit wurden viele viele Träume wahr.
    Wenn man es wagt auf sein Herz zu hören, schenkt das Leben einem tausend Dinge und Möglichkeiten! Und Ängste hat man sowieso immer mal, dass ist einfach normal 😉
    herzlichste Grüße Angelika <3

    • Fü(h)rPferd // 13. August 2015 um 10:09 // Antworten

      Danke für deine Worte. Ich merke immer mehr, dass ich mit meiner Entscheidung nicht allein bin. Es ergibt sich so viel, und ich habe das Gefühl, dass mein Schritt tatsächlich überfällig war :). Jetzt habe ich endlich die Möglichkeit, mein Leben so zu gestalten wie ich es will, unabhängig von fremd-auferlegten Aufgaben und Anwesenheitszeiten. Das wird spannend!
      Ganz liebe Grüße,
      akki

  9. hab´s gerne an meiner Fanpage geteilt!!!

  10. Liebe Akki, ich drücke ganz ganz fest die Daumen und glaube an dich! Du schaffst das! <3

    Liebe Grüße,
    Christina

  11. Liebste Akki, ein toller, wunderbarer und mutiger Schritt. Alles was sich immer wieder im Leben zeigt, konsequent anklopft, will gelebt, erlebt und angegangen werden. Und dieser Schritt ist Deine Konsequenz dessen.
    Für diesen neuen Weg wünsche ich Dir, dass Dich Deine Lebensfreude, Dein waaaahnsinns Einfühlungsvermögen und Deine Geduld begleiten. UND ES WIRD RICHTIG GUT.
    Bis gaaaaaaanz bald!!!

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