Freies Verladen

Ich will da nicht rein! Trooper misstraut dem Hänger.

Verladen ist für viele Pferdebesitzer ein Thema für sich. Eines meiner Trainingspferde ist so ein besonderer Fall. Trooper ist ein stämmiger, sehr intelligenter Tinker-Wallach. Er ist sehr stark, weiß um seine Kraft und setzt sie gern gegen den Menschen ein wenn es nicht nach seinem Willen geht.

Im Training ist Trooper schwer zu begeistern. Er bewegt sich bedächtig und hinterfragt jede Aufgabe mehrmals, bis er sie bewältigt. Seine Besitzer schätzen sein ruhiges Wesen, allerdings bringt es sie manchmal auch zur Verzweiflung wenn er partout nicht kooperieren will.

Wir arbeiten jetzt seit einigen Monaten mit Trooper. Bei der Bodenarbeit lässt er sich bereits relativ gut bewegen. Nun stand der Umzug in einen neuen Stall an. Trooper wurde bisher nur einmal verladen, damals ohne Probleme. Trotzdem baten mich die Besitzer beim Umzug dabei zu sein.

Generell haben wir nicht mit Problemen gerechnet. Was auf uns zukam hätte ich mir nicht träumen lassen. Aber von vorn: der Hänger war angehängt, Trooper wurde von seiner Besitzerin geführt. Kurz vor dem Hänger wurde der Wallach nervös. Es begann zu tänzeln, stieß seine Besitzerin mit der Schulter zur Seite so dass sie fiel und trabte los. Im gestreckten Galopp preschte er am Hänger vorbei und auf die Rückseite der Weide, auf der die Herde stand. Wir waren perplex: damit hatte niemand gerechnet. Ich half der Besitzerin auf und joggte hinter dem Wallach her. Er ließ sich ohne Probleme einfangen, doch als wir wieder in Richtung des Hängers kamen lief er wieder los. Ich hielt mich an seiner Mähne fest und lief mit ihm – es kam mehr einem Schweben gleich, denn er war wirklich flott unterwegs! So kannte ich ihn gar nicht! Ich konnte ihn stoppen. Nach einigen Übungen, Kontrolle der Schulter und Hinterhand sowie einem kleinen Zirkel um mich herum versuchte ich es wieder. Aber keine Chance: wir kamen dem Hänger nicht näher. So wurde das nichts.

Also haben wir umdisponiert. Ich ging mit Trooper auf den kleinen Longierplatz, der Hänger wurde in den Eingang gestellt. Da ich den Wallach nicht halten konnte und er seine komplette Kraft gegen mich am Seil einsetzte entschied ich mich für Liberty-Arbeit. Die Ecke, die am meisten vom Hänger entfernt war, wurde zur Arbeitsseite, der Platz am Hänger wurde Komfortzone mit Pausen.

Ich will da nicht rein! Trooper misstraut dem Hänger.

Ich will da nicht rein! Trooper misstraut dem Hänger.

Zu Beginn war es ein zähes Spiel, aber Trooper wusste genau was ich wollte. Schnell nutze er die Ruhezonen in der Nähe der Hängerklappe. Trotzdem brach er auch immer wieder aus und preschte zum Ende des Platzes, wo ich ihn sofort vertrieb. So arbeiteten wir uns in Richtung Hänger vor, bis ich ihn direkt vor der Klappe abstellen konnte.

Pause gibt's nur beim Hänger!

Pause gibt’s nur beim Hänger!

Dann fragte ich seine Füße einzeln ab. Er scharrte kurz auf der Klappe, setzte dann aber ohne zu zögern seine Vorderfüße ab. Hier gab es eine lange Pause, so dass er sich auf der Klappe stehend ausruhen konnte. Dann fragte ich seine Hinterbeine ab, bis Trooper komplett auf der Rampe stand. Er entspannte sich schnell. Ich entschied mich jetzt ein Seil am Halfter zu befestigen, damit ich seinen Kopf besser steuern konnte.

Schritt für Schritt...

Schritt für Schritt…

Nach wenigen Aufforderungen stand Trooper komplett im Hänger. Ich schickte ihn direkt zurück, damit er nicht das Gefühl bekam hier festgehalten zu werden. Wir pendelten mehrere Male in und aus dem Hänger, bis er ruhig drinnen stehen blieb. Dann schlossen wir die Stange, befestigten ihn vorn am Halfter und der Umzug konnte beginnen. Insgesamt haben wir 4 Stunden gebraucht, bis Trooper entspannt im Hänger stand. Schweißtreibend, aber sehr wertvoll!

Einen Monat später übten wir das Verladen erneut. Wir haben den Hänger direkt wieder am kleinen Roundpen geparkt. Zuerst ein wenig Übungen am Seil, dann ging es los. Wieder habe ich Trooper frei verladen, um keinen Kraft-Wettstreit zu entfachen. Und siehe da: nach nur 40 Minuten stand Trooper das erste Mal auf dem Hänger. Er war völlig ruhig und ist nur 2 mal vorher ausgebrochen um mich zu testen. Nach einer kurzen Fahrt ging es dann auf die Wiese.

Ich bin mir sicher: mit ein paar Wiederholungen wird das Verladen mit Trooper kein Problem mehr sein. Übung macht den Meister 🙂

 

2 Kommentare zu Freies Verladen

  1. Das ist eine super Geschichte! Klasse, wie du den Nachteil, ihn nicht halten zu können, einfach ausgeklammert und das ganze in Freiarbeit bewältigt hast. Das nenne ich mal lateral thinking und kreative Strategie. VG! Nadja

    • Fü(h)rPferd // 7. August 2014 um 15:02 // Antworten

      Danke schön Nadja! Ich bekomme dazu so viel positives Feedback, damit hatte ich nicht gerechnet! Fand es ganz normal dann Liberty zu arbeiten. Ist doch schön, wenn so viel NHS schon im Kopf verankert ist 🙂

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