Artgerecht, liebevoll, anders: Die alternative Pferdehaltung

Vor kurzem habe ich in die Runde der Bloggermädels und -jungs gefragt, ob jemand bei mir einen Gastartikel zum großen Thema „Mach es anders – sei alternativ“ veröffentlichen möchte. Und siehe da: neben einem tollen Text zum Thema Islandpferde von Slaka kommt nun das Thema alternative Pferdehaltung von Jenny. Jenny ist 32 Jahre jung und Pferdenärrin seit ihrer Kindheit. Sie wohnt in der Nähe von Erding und betreibe seit Ende 2014 mit ihrem Freund Karl-Heinz eine Pferdepension – den Birkenhof Wölling.

Hier ist – nach vielen Umgestaltungen und schlaflosen Nächten, die die beiden brütend über Literatur und Webseiten zur Pferdehaltung verbracht haben – mittlerweile ein kleines Paradies entstanden. Über ihre Erfahrungen rund um den Hof, die Möglichkeiten moderner Pferdehaltung und allem voran das Ziel, Pferde glücklich zu machen, schreibt sie nun seit Anfang 2016 auf ihrem Blog www.horse-love.com.

Ihr Artikel hat mich an meine eigenen Erfahrungen mit der Suche nach dem perfekten Zuhause für mein Pferd erinnert. Suri ist von einem Offenstall in eine Paddockbox gezogen, weil es bei uns in der Umgebung kein so schönes Paradies wie das von Jenny gibt. Nach ihrem Text bin ich ein bisschen neidisch und würde am liebsten gleich zu ihr nach Bayern ziehen ;)!

Artgerecht, liebevoll, anders: Die alternative Pferdehaltung

Was genau heißt eigentlich „alternativ“? Ursprünglich stand die Umschreibung wörtlich dafür, die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten zu lassen. Später kam eine weitere Bedeutung hinzu: Alternativ kann demnach auch für eine ganze Lebensweise stehen, die Natur und Umwelt in besonderem Maße respektiert.

Natürlich sind für mich Tiere und allen voran die Pferde ein wichtiger Teil der Natur und es ist mir ein Anliegen, ihnen mit größten Respekt, Fürsorge und Freundschaft zu begegnen. Der tägliche Umgang mit derzeit 20 Ponies, Groß- und Kleinpferden ist von diesen Werten geprägt und macht mich glücklicher, als es jeder andere Job je könnte. Im Gespräch mit Pferdefreunden merke ich (leider) immer wieder, dass dies wohl in eher wenigen Pensionsställen der Fall ist und vor allem bei Betrieben mit einer großen Anzahl Pferde Anonymität, Zeitdruck, Platz- und zum Teil sogar Futtermangel vorherrschen. Natürlich ist das nicht überall der Fall und es gibt zum Glück auch mit Herzblut geführte Anlagen, wo das Tier im Mittelpunkt steht. Leider sind genau diese Betriebe aber „alternativ“, also von der Norm abweichend und damit zahlenmäßig absolut unterlegen.

Parallelwelten: Bedürfnisse vs. Angebot 

Neulich bei einer Stallführung sagte eine Interessentin völlig perplex zu mir: „Der Stall kommt mir vor wie eine Parallelwelt“. Dieser Satz stimmte mich zum einen freudig und stolz, aber andererseits auch sehr traurig. Während große Flächen, viele Bewegungsanreize, 24h Heu und die individuelle Versorgung der Vierbeiner für uns selbstverständlich sind, sucht man vor allem in Stadtnähe häufig vergebens nach Ställen mit diesen Angeboten – insbesondere in Kombination mit verschiedenen Haltungsformen. Meist wird Heu ad libithum beispielsweise nur in Kombination mit Offenställen angeboten, ebenso wie Paddock Trails. Definitiv eine Gegebenheit, die ich so nicht hinnehmen möchte.

Boxenpferde Trail

Von Schlafzimmern mit Balkon

Obwohl ich selbst ein Verfechter der Offenstallhaltung bin, kenne ich viele Pferdebesitzer, die trotzdem aus verschiedensten Gründen eine (Paddock)Box bevorzugen – sei es um älteren oder rangniedrigen Pferden nachts Ruhe zu gönnen, schwerfuttrigen oder zu Übergewicht neigenden die richtige Futterration… Auch wenn es immer auf das Konzept und die Umsetzung eines Offenstalls, sowie die Herdenzusammensetzung ankommt, bin auch ich nach wie vor der Meinung, dass nicht jedes Pferd sich für die dauerhafte Gruppenhaltung eignet. Aber: Boxenhaltung muss nicht zwangsweise bedeuten, dass die Tiere nur stundenweise allein oder in Zweiergruppen auf rechteckige Sandpaddocks ohne Zugang zu Heu und Wasser gestellt werden, oder sich eingedeckt auf Mini-Koppeln die Beine in den Bauch stehen bis sie pünktlich zur Mittagsration Kraftfutter wieder rein geholt werden. Dieses Bild der Einzelhaltung hält sich leider hartnäckig und ist in vielen Ställen auch grausame Realität. Aber auch das geht anders – oder besser „alternativ“: Ich nenne unsere Paddockboxen gern „Schlafzimmer mit Balkon“.

Raufe Paddockbox

Denn außer zur Nachtruhe suchen unsere Boxenpferde ihre Ruhezonen nicht auf. Jedem Tier steht eine Gitterraufe mit guten 2 Meter Höhe zur Verfügung, so dass auch während des gesamten Aufenthalts in der Box für Raufutter gesorgt ist.Morgens nach der Kraftfuttergabe geht es in der Gruppe raus auf den angeschlossenen Paddock Trail – warum sollten Boxenpferde nicht in den Genuss kommen, sich zum Wasser, verschiedenen Heustationen oder zur Koppel auf einem Wegenetz zu bewegen, das ihnen Raum und Abwechslung bietet? So geht es den ganzen Tag bergauf und bergab, rechts und links herum bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit die Herde gesammelt beschließt, dass es Zeit wird für die Einzelzimmer und sich an den Toren sammelt. Bei schlechtem Wetter steht ein großer, befestigter Bereich mit kleinem Trail und Heukarussel bereit, bei Hitze wird der Rhythmus getauscht und es geht in der Nacht nach draußen. „Boxenruhe“ gibt es nie – außer ein Pferd muss verletzungsbedingt drinnen bleiben.

Reha mit Ausblick – oder: Wunder gibt es immer wieder

Selbst in einer Box gibt es Möglichkeiten, dem Patienten seine Zwangspause möglichst angenehm zu gestalten: Ob Heunetze mit verschiedenen Maschenweiten, ein Nest mit versteckten Äpfeln im Eck, Knabberäste oder ein frei schwingend aufgehängtes Körbchen mit Karotten. Fellpflege über den ZaunWeitere Erleichterung bietet die Möglichkeit von Sozialkontakt über die Abtrennungen hinweg: Schnuppern, Schmusen und Fellpflege sind abends mit dem Nachbarn und tagsüber mit der gesamten Herde am angrenzenden Gruppenpaddock möglich. Der Blick auf die Koppeln und über die Anlage sind für das Wohlbefinden des Wächters Pferd ebenso zuträglich. Insgesamt ein klares Gegenprogramm zum Einsperren in Innenboxen bei rationierter Fütterung und immer gleichen Abläufen.

Dank dieses Konzeptes sind schon einige Pferde wieder gesund geworden, die zum Beispiel mit Lahmheiten nach OPs zu uns gekommen sind und noch einige Zeit Ruhe verordnet bekamen. Obwohl das nie unser Hintergrund war, scheint die alternative Haltung ideale Bedingungen für die Reha von Pferden zu bieten. Ein schönes Beispiel hierfür ist auch eine Stute, die als Therapiepferd in Rente zu uns kam. Sie war hahnentrittig und hatte eine hängende Unterlippe nach einer missglückten Zahnbehandlung. Letzteres schien irreversibel, ein Problem am Nerv war vermutlich die Ursache. Mit unseren Gitterraufen in den Boxen kam die Stute gar nicht zurecht, wir entschieden, ihr große Mengen Heu lose zu füttern. Trotzdem wollte ich ihr die Möglichkeit geben zu üben und hängte ihr ein grobmaschiges Heunetz zur Beschäftigung dazu. Anfangs ignorierte sie es, irgendwann fehlten morgens aber immer kleine Mengen Heu aus dem Netz. Dann begann sie auch an der Raufe zu zupfen. Eines Morgens traute ich meinen Augen nicht: Die hängende Unterlippe war wieder völlig normal! Unser Tierarzt bestätigte mir, dass die Muskulatur voll beweglich sei. Ich war überwältigt! Auch wenn sie nach wie vor sehr langsam frisst und die Zeit in der Einzelbox braucht, um sich in aller Ruhe ihrem großen Haufen Heu zu widmen, war es ein enormer Zugewinn an Lebensqualität für das Pferd. Der Grund für die Genesung war allem Anschein nach der Übungseffekt des Heunetzes. „Was Ihr hier macht ist Therapie, keine Haltung“, meinte unser Tierarzt.Karottenkörbchen

Beim Thema Hahnentritt stellten wir fest, dass dieser vor allem dann akut auftrat, wenn die Beine noch kalt waren und die Stute ihre Box gerade verlassen hatte. Häufig traten auch Schwellungen auf. Nach einiger Zeit draußen zog sie die Beine weniger an und entwickelte einen beinahe normalen Schritt, auch wenn die Schwellungen selbst dann noch blieben. Bewegung tut ihr ohne Zweifel gut, ihr hohes Alter und das langsame Fresstempo ließen jedoch leider keine Eingliederung in unseren Bewegungsstall zu. Wir beschlossen, es mit Stallgamaschen zu versuchen. Und auch das funktionierte! Nachdem die Beine nicht mehr anschwollen, kam die Bewegungslust zurück und die Stute hat in Kombination mit dem ganztägigen Auslauf auf dem Trail sogar ihren Hahnentritt fast völlig abgelegt. Was ich damit sagen will ist nicht, dass eine gute Haltung medizinische Wunder vollbringen kann. Aber in Ergänzung mit einer individuellen Betreuung kann sie definitiv positive Effekte erzielen.

Weg vom Standard

Was wir uns immer vor Augen halten sollten: Die meisten Menschen sind beruflich so eingespannt, dass sie täglich höchstens wenige Stunden bei ihren Tieren im Stall verbringen können. Reiten, Spazieren gehen, spielen oder einfach nur putzen und kraulen sind die gemeinsamen Aktivitäten während dieser Zeit. Den Rest des Tages, und das sind über 20 Stunden(!), ist das Pferd auf eine artgerechte Haltung angewiesen. Ein gut geführter Offenstall mit genügend Futter, Platz, Liegeflächen, einer stabilen Herde oder eine (Paddock)Box mit viel Auslauf und denselben Attributen kann ihm diese bieten. Am besten in Kombination mit einem alternativen Stallmanagement, das einen wachen Blick auf das Verhalten der Tiere hat und bei Problemen nicht an festgeschriebenen Abläufen fest hält. Die Lust zum Ausprobieren, das Bieten von Abwechslung und der Anspruch, den natürlichen und individuellen Bedürfnissen der Pferde so gut wie möglich gerecht zu werden, bedeutet für mich alternative Haltung. Ich hoffe, dass noch ganz viele Betreiber entdecken, wie viel Freude es bereitet, Dinge anders zu machen.

Offenstall

 

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2 Kommentare zu Artgerecht, liebevoll, anders: Die alternative Pferdehaltung

  1. Hallo Karin
    Ich habe mit großem Interesse deine Erfahrungen mit Sarkoiden gelesen.
    Seit 1 Jahr, also letzten Sommer ist mein Pferd ruhiger, ein bischen verschlossen. Eine Blutuntersuchung und eine Heilpraktikerin fanden nichts bei der Untersuchung. Genau ein halbes Jahr später sahen wir das Unheil. Eine Sarkiode ist im Gehörgang oben aus dem Ohr. Rot, blutend, und faustdick und juckend. Was jetzt? Vor Schreck habe ich den Tierarzt angerufen. Nach der Reinigung der Wunde wurde eine Op mit Krankenhaus vorgeschlagen.
    Da ich weiß das dies einnatürliche Vorgang des Körpers ist Gifte auszuscheiden evtl zu verkapseln kam eine Op nicht in Frage.
    Ich habe es erreicht das sich mit MMS die Wunde öffnete und Flüssigkeit Lymphozyten Flüssigkeit und Blut ausläuft. Nach ein paar Tagen schließt sich die Wunde. Der Juckreiz ist verschwunden. Jedochnzieht sich die Behandlung nun seit einem halben Jahr hin. MMS morgens 30 – 40 Tropfen mit Apfelsaft angerührt. Mittelwelle zeigt mir den Domingo wann ich unterbrechen muss für ein paar Tage. Dann fange ich wieder an. Anis Ohr lässt er mich nicht. Die Sarkoide ist nicht größer geworden, stinkt nur ganz entsetzlich wenn sie offen ist. Koligalles Silber habe ich schon mal von außen aufgesprüht. Aber nur ein paar mal. Bin unsicher denke aber das es sehr helfen kann.
    Mein Pferd hat sehr abgenommen obwohl ich im Winter Heukops einweiche mit Dinkel und Hafer anreichere. Gebe kein müslimoder fertiges Pferdefutter. Nur Kräuter und aus dem Garten Möhren rote Beete usw.
    Jetzt bin ich jedoch sehr ängstlich geworden. Die sarkoiden am Körper am Schlauch und Hinterbeine sowie After sind ganz klein und hart geworden. Wie ich mein Pferd vor 4 Jahren gekauft habe hatte er bereits einige sarkoiden kleine am Schlauch und am After.
    Meine Idee war das immunsystem stärken zu lassen mit einer eigenblutbehandlung mit Ozon. Auf jeden Fall MMS weiter verabreichen und evtl mit Alo Vera Gel zu probieren. Jedoch lässt er mich nicht ans Ohr.
    Über eine Nachricht, einen Tipp oder irgendeine Hilfestellung wäre ich dankbar.
    Ich weis durch mein Bioresonanzgerät das die Leber sowie die Milz nicht richtig arbeitet. Don Domingo zeigt mir das die Milz nicht richtig arbeitet. Er zeigt mir mit seinem Kopf wo er Schmerzen hat.
    Wir sind Mental sehr eng verbunden.
    Ich freue mich über eine Rückmeldung.
    Lieben Gruß von einer besorgten Pferdebesitzern
    Annette

    • Hallo Annette,

      bitte entschuldige meine späte Antwort. Nun komme ich endlich dazu, dir zu schreiben.

      Es klingt, als würdest du schon sehr viel für dein Pferd tun. Wenn ich richtig verstehe, hat Don Domingo mehrere ES am ganzen Körper, das größte jedoch am Ohr, richtig?

      Auch ich habe mit MMS gearbeitet, Mineralstoffe sind gut und wichtig. Jedoch ist es essentiell zu wissen, dass MMS – welches nichts anderes als Natriumchlorid ist – in hohen Dosen giftig ist. Wenn du schreibst, dein Pferd signalisiere dir Kopfschmerzen, kann das am MMS liegen! MMS darf nur als Kur verwendet werden und muss dann für einen längeren Zeitraum wieder abgesetzt werden. Bitte sei vorsichtig damit.

      Mit kolloidalem Silber habe ich noch keine Erfahrung gemacht. Hier sprechen wir von ultrafeinen Metallpartikeln (Silber), die – in vitro außerhalb des funktionierenden Körpers – nachweislich hemmend auf Bakterien und Viren wirken. Die Nanopartikel durchdringen Zellwände und Zellmembranen und wirken im Zellkern: Ein Fakt, der nicht nur auf die Zellen der Bakterien und Viren zutrifft, sondern auch auf die gesunden Zellen im Pferdekörper. Auch hiermit bin ich sehr vorsichtig.

      Ich bin kein Tierarzt, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass du deinem Pferd am meisten hilfst, wenn du ihm immunstärkende Kräuter und gesundes Futter verabreichst, um von innen zu wirken. Saftfutter gilt dabei nur bedingt als gut, denn die Zuckerverbindungen in Gemüse sind nicht gesund, daher füttere diese in Maßen. Heukobs sind kein Problem, bei Hafer bin ich vorsichtig, da die Eiweiße anscheinend die Sarkoide begünstigen.

      Schmier doch Aloe – wenn du schmieren möchtest – auf die SArkoide, an die dein Wallach dich lässt. An das Ohr kannst du dich nach und nach vortasten, indem du jeden Tag ein Stückchen mit der Hand den Hals hochgehst und die Hand dort liegen lässt, wo dein Pferd es noch erlaubt. Arbeite dich täglich ein Stückchen vor. Nach ein paar Wochen kannst du das Ohr ohne Probleme anfassen und auch einschmieren. Zwinge ihn zu nichts, lass dir Zeit und er wird es dir bald erlauben.

      Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei der Behandlung der ES deines Wallachs!

      Ganz liebe Grüße,
      akki

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