Die Wirkung von Zäumungen

Weit verbreitet ist die Meinung, dass eine gebisslose Zäumung sanfter ist als die Zäumung mit Gebissstück. In den meisten Fällen ist das nicht richtig.

Das Gebissstück wirkt im Maul. Von der einfach gebrochenen Wassertrense ausgehend wirkt es auf das Zahnfleisch, die Zunge und bei Zügelzug auf den Gaumen. Wenn das Pferd steht liegt das schwere Metallstück auf dem Zahnfleisch auf. Bei leichter Bewegung der Zügel wölbt sich die Stelle, an der die Schenkel des Gebisses in der Mitte zusammengefügt sind, nach oben und drückt gegen den Gaumen. Dadurch wird die Zunge zusammengequetscht. Parallel reiben die Außenseiten an den Mundwinkeln des Pferdes. Selbst sehr leichte Zügelbewegungen werden so auf das Gebiss übertragen.

Gebisslose Zäumungen wirken entweder ohne oder mit Hebelwirkung. Je nach Variante wird der Zügelzug ohne Hebelwirkung auf Nase und Genick übertragen, oder aber die Kraft wirkt mit Hilfe von Anzügen verstärkt auf Nase, Kinn und / oder Genick (vergleichbar mit einer Kandare). Hier wirkt kein Schmerz im Maul, aber es wird starker Druck ausgeübt. Das Pferd kann diesem Druck nicht ausweichen, da das Kopfstück fest verschnallt ist. Eine vorsichtige Zügelhandhabung ist von höchster Bedeutung, da bei bestimmten Zäumungen im schlimmsten Fall das Pferd schwer verletzt werden kann (z.B. Kieferbruch, Verletzung des Nasenrückens etc.).

Es kommt also immer auf den Reiter und seine sanfte Einwirkung an. Egal welche Hilfsmittel der Reiter nutzt, er kann mit allen dem Pferd Schmerzen zufügen – auch mit gebisslosen Zäumungen.

3 Kommentare zu Die Wirkung von Zäumungen

  1. Genau das ist der springende Punkt – egal was man verwendet, es kommt darauf an wie man es macht. Wir sind sehr gerne gebisslos unterwegs, entweder am Halfter oder BioThane-Sidepull. Besonders im Gelände läuft er damit fantastisch, lässt sich auch im Renngalopp problemlos zurück nehmen auf ein leises „Easy“. Die Trense brauche ich nur für die Longenarbeit mit Dreieckszügeln oder wenn Pferde mit in der Halle sind, die er nicht leiden kann. Da geht Sicherheit vor und er kann die seitwärtsweisenden Hilfen usw. nicht ignorieren und das andere Pferd angehen.

    Leider kenne ich auch genug unschöne Beispiele für gebissloses Reiten. Der Hinweis, dass eine Hackamore auf gar keinen Fall mit ständiger Anlehnung am Zügel (harmlos ausgedrückt für ständiges Zerren und Riegeln…) geritten werden darf, wurde ignoriert… Ein paar Tage später hatte die Stute blutig gescheuerte Stellen dort wo die Hackamore lag und war genauso sauer wie vorher mit Gebiss 🙁

    • Du hast so recht. Viele Reiter machen sich einfach keine Gedanken, wie ein Hilfsmittel am Pferd einwirkt, und bereiten dem Pferd so – unbewusst oder bewusst – Schmerzen. Und dann wundern sie sich, dass „das blöde Teil auch nicht besser funktioniert“. In diesen Situationen wünsche ich mir einen „Führerschein“ für das Pferd bzw. die Hilfsmittel. Wenn ich etwas nur Nutzen darf, was ich auch verstehe, würde es vielen Pferden besser gehen.

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