„Das ist aber teuer“ – Warum guter Beritt eine Investition fürs (Pferde-) Leben ist

Ausbildung als Basis für ein entspanntes Miteinander

Ja, ich bin genervt.

Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin so sauer und enttäuscht. Ständig höre ich die gleiche Frage: „Kennt jemand einen guten Bereiter, der mein Jungpferd sanft, pferdegerecht und am besten bei mir am Stall an- und einreitet?“ Die Frage wird überall gestellt, in Foren, in den sozialen Medien, und natürlich am heimischen Stall. Klar, ich mach das! Wir kommen ins Gespräch, über Ausbildungsphilosophien und Herangehensweisen. Über Erfahrungswerte. Und dann, wenn ich über die Dauer und den Preis spreche, schaue ich in aufgerissene Augen: „So teuer? Das ist aber sehr viel Geld!“ Und so langsam platzt mir der Kragen.

Ich kann es verstehen.

Ich habe viel Verständnis. Das ein oder andere junge Mädchen erfüllt sich den Traum vom Pferd, wenn sie noch in der Schule ist. Dann kommt die Ausbildung, das Geld wird knapp. Ich kenne das, ich musste in dieser Phase mein Pferd verkaufen und das Hobby auf Eis legen. Es war nicht finanzierbar, das wurde mir schmerzlich bewusst. Auf diesem Weg befinden sich viele Pferdebesitzer. Oder der Traum vom Pferd wird sich erfüllt, wenn das Geld so gerade vorhanden ist. Kauf, Stall, Schmied, Tierarzt, all das ist einkalkuliert. Wenn das (gerettete oder günstig gekaufte) Pferd dann nicht reitbar ist, weil es keinerlei Ausbildung bekommen hat und so für den Besitzer zur Gefahr wird, kommen die Kosten für Beritt dazu. Das ist häufig nicht einkalkuliert und schmerzt.

Pferdeausbildung braucht Zeit und Geduld – besonders bei ängstlichen Kandidaten.

Was bedeutet „günstig“?

Aber bei all meinem Verständnis geht es mir so langsam auf den Keks. Ja, es gibt auch günstige Bereiter. Die, die ein Pferd hingestellt bekommen und ihr „Programm“ abspulen. Diese nehmen, je nach Lage und Ausbildungsstand, zwischen 300 und 500 Euro pro Monat plus Einstellkosten. Bei den meisten Pferden ist das auch kein Problem, vor allem, wenn sie eine entspannte Jugend in einer guten Aufzucht hatten. Pferde, die seit Fohlenalter an den Menschen gewöhnt sind und sich bereits bei ihrer Mutter abschauen konnten, dass dem Menschen gegenüber Gehorsamkeit gelehrt wird. Diese Pferde kommen sehr gut mit dieser Art Profiberitt klar, in dem sie eines von 8-10 Pferden sind, die am Tag geritten und geschult werden.

Doch was ist mit den anderen? Denen, die eine weniger schöne Geschichte haben? Die den Menschen als gefährlich erlebt haben, die ängstlich sind oder sogar misshandelt? Oder Rassen, die aus ihrer Zucht nicht folgsam sind, sondern eigenständig und mit einem starken Charakter?

Diese Pferde lernen dann im vermeintlich „günstigen“ Beritt, dass ihr eigener Wille entweder durch Stärke oder Hilfsmittel gefügig gemacht werden. Oder schlimmer, sie wehren sich so lange, bis der Bereiter aufgibt, weil er mit seinem Latein am Ende ist.

Es gibt auch gute Freizeitreiter, die Pferde ausbilden. Diese besitzen meist selbst ein junges Pferd und haben dieses eingeritten. Die Erfahrung wird nun auf andere Pferde übertragen. Aber was, wenn das nicht klappt? Wenn das Jungpferd oder Berittpferd zu den oben genannten gehört? Wenn das Pferd plötzlich ausbricht, buckelt, steigt oder andere Untugenden zeigt? Selbst der langjährige Freizeitreiter kann hier keine einfache Lösung finden – denn es gibt sie nicht.

 

Vertrauen muss man sich manchmal hart erarbeiten. Das klappt nur mit Erfahrung und Ruhe.

Doppelter Beritt – besonders teuer.

Diese Pferde landen dann meist bei mir oder einem meiner Kolleginnen und Kollegen. Es sind häufig die, die sonst zum Schlachter gehen. Meist gekauft von einem Menschen, der wirklich Zeit, Geld und Nerven investieren will, um seinem Pferd zu helfen. Denn ein Pferd, dass sich nicht „einfach“ fügt, mit dem Menschen arbeiten will und den „Will to please“, den Willen zu Gefallen hat, ist weder schnell noch leicht auszubilden. Diese Pferde brauchen Geduld, Einfühlungsvermögen und eine sanfte, aber konsequente Führung.

Ich habe eine 2jährige Ausbildung hinter mir. Ich habe bei einem Profi gelernt, der – so wie ich glaube – jedes Pferd davon überzeugen kann, dass der Mensch ein guter Partner und Freund ist. Für diese Ausbildung habe ich viel investiert, nicht nur finanziell. Zusätzlich fahre ich regelmäßig zu Schulungen und Lehrgängen und bilde mich weiter. Jeder gute Kollege tut das, denn im Pferdebusiness lernt man niemals aus.

Noch dazu kommt, dass wir von diesem Beruf leben. Wir haben eine Wohnung, ein Auto (denn wer wohnt schon am Stall?), gehen Einkaufen und wollen ab und zu mal ins Kino. Das fließt in die Berechnung der Berittpreise ein. Nicht zu vergessen: Wir riskieren täglich unsere Gesundheit. Ich arbeite mit Tieren, die mindestens das 10-fache von mir wiegen und schnell und wendig sind. Ein Tritt, ein Biss oder ein unglücklicher Sturz, und ich falle für mehrere Wochen aus. Selbstständigkeit bedeutet, selbst das Risiko zu tragen. Meine Rechnungen muss ich auch zahlen, wenn ich nicht arbeiten kann.

Klar, ich habe mir diesen Job selbst ausgesucht. Weil es fantastisch ist, wenn ein Pferd nach all seiner Angst oder Unwillen nach durchschnittlich 3 Monaten so wunderbar unter dem Reiter läuft. Weil die glücklichen Blicke der Besitzer mich so berühren, wenn sie das erste Mal auf ihrem Pferd sitzen. Weil es sich so sehr lohnt, wenn ein Pferd in unserer Welt auch unter dem Sattel zufrieden ist, nachdem es Leid erfahren hat.

Wenn aus Ablehnung Spaß an der Arbeit wird, ist mein Job so gut wie getan!

Professioneller Beritt – für euch und eure Pferde!

Ich möchte daher um eines Bitten: Investiert euer Geld in einen guten Beritt. Dieser kostet bei einem professionellen Horseman ca. 700-900€ im Monat. Im Schnitt braucht ein Profi 3 Monate, um ein ungerittenes Jungpferd ohne Vorbereitung zu einem relativ sicheren Reitpferd zu machen. Klar, es kommt auf den Charakter und die Erfahrungswerte des Pferdes an. Manchmal dauert es länger, aber das ist nur in Härtefällen so. Überlegt euch, wieviel Geld ihr bereits in Schabracken, Trensen, einen gut passenden Sattel, Fotoshootings oder sonstiges Material ausgegeben habt. Nehmt den Betrag nochmals in die Hand für eine professionelle und fundierte Grundausbildung eures Pferdes. Es lohnt sich – ein Pferdeleben lang.

 

 

 

Du willst dein Pferd von mir ausbilden lassen? Hier geht`s zum Angebot für Beritt!

Vorbereitung ist alles – und das kannst du selbst? Hol dir hier das Trainings-Ebook Bodenarbeit! Damit die Ausbildung deines Pferdes schneller und einfacher verläuft :).

6 Kommentare zu „Das ist aber teuer“ – Warum guter Beritt eine Investition fürs (Pferde-) Leben ist

  1. EIn sehr wichtiger Text! Ich verstehe das auch nicht – Leistung wollen, aber sie darf bitte nichts kosten..Das ist vielleicht auch typisch Deutsch. Wobei ich deine Preise etwas relativieren würde. Ich kenne wunderbare Trainer und Bereiter (auch mit Ausbildung), die 300 – 600 Euro pro Monat verlangen. Und nur 2-3 Pferde parallel in Beritt haben, die mit viel Geduld und Kompetenz eingeritten werden. Ich würde nicht pauschal 400 Euro als „billig“ und deswegen schlecht abstufen. Man muss sich als Pferdebesitzer den Bereier einfach genau ansehen und immer wieder auf die Finger schauen. Das ist das Wichtigste, denke ich. Viele liebe Grüße, Petra

    • Fü(h)rPferd // 5. März 2017 um 08:08 // Antworten

      Hi Petra,

      vielen Dank für deine Antwort! Du hast völlig recht, es kommt immer auf die Qualität des Anbieters und nicht auf den Preis an. Dennoch ist auch hier die Preisgestaltung an die Kosten gebunden. Mit dem Standort Köln habe ich höhere Kosten als z.B. im Sauerland, wo ich eigentlich einen Stall aufmachen wollte. Es kommt halt immer drauf an, wo man sich befindet…
      Ganz liebe Grüße,
      Akki

  2. Hi Akki,
    ein wirklich wichtiges Thema, das sich meiner Erfahrung nach auch auf den Bereich (Reit-)Unterricht ausweiten lässt.
    Aus meiner Sicht ist eine angemessene Bezahlung auch eine Wertschätzung der Arbeit und Qualität kann man eben nur schaffen, wenn man mit einer angemessenen Anzahl an Kunden seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, ohne dass die Arbeit mit dem Pferd zur „Fließbandarbeit“ verkommt.
    Ich denke, oft ist den Kunden auch nicht bewusst, dass der Preis, den sie zahlen nicht mit dem übereinstimmt, was der Trainer tatsächlich am Ende des Tages zum Leben zur Verfügung hat. Viele wissen einfach nicht, dass von diesem Betrag Steuern, Versicherungsbeiträge, KFZ- Kosten und noch so einiges mehr abzuziehen sind.
    Ich selbst habe gute Erfahrung damit gemacht, einer Kundin einmal direkt vorzurechnen, was von den Einnahmen einer Reitstunde übrig bleibt, sodass sie ein Gefühl für die Kalkulation bekam.
    Das wirkt natürlich nicht immer und oft findet sich auch jemand, der günstigeren Unterricht macht. Deshalb kann man wirklich jedem Pferdebesitzer und Reiter nur raten, genau hinzuschauen und zu überlegen, ob man nicht vielleicht am falschen Ende spart.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.

    Liebe Grüße
    Corinna

    • Fü(h)rPferd // 15. März 2017 um 13:26 // Antworten

      Hallo Corinna,

      das ist eine sehr gute Idee, dem Kunden alles vorzurechnen. Das werde ich mir für die Zukunft auch vornehmen.

      Ganz liebe Grüße,
      Akki

  3. Hey, also erstmal… ich vestehe es auch nicht wenn menschen so Pferdelieb und toll sind aber sich dann nur mittelmäßigen Beritt für wenig geld leisten wollen. ABer ich muss einmal einhaken. Ich bin inzwischen 15 Jahre Alt und helfe meiner Trainerin bei dem Beritt unserer Problem/ Jungpferde. das Einreiten kostet 380 Euro und das Korrektur reiten 450 Euro Pro Monat. Das liegt warscheinlich zum Größten Teil daran dass Die besagte bereiterin Einen eigenen Trainingsstall in Bayern hat wo generell die Preise anders sind als in Berlin/ Köln etc. aber du hast recht. Immer nur das günstigste ist nicht das beste.

    • Fü(h)rPferd // 15. März 2017 um 13:25 // Antworten

      Hi Anbelle,

      du hast das richtig erkannt: Es kommt sowohl auf die Lage des Stalls als auch auf die Gegebenheiten. Deine Trainerin ist sicher toll, keine Frage. In Bayern ist der Beritt aber tatsächlich viel günstiger als in Ballungsräumen im Westen, weil die laufenden Kosten viel geringer sind.

      Liebe Grüße!
      Akki

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Werde Fan auf Facebookschliessen
oeffnen