Horsemanship: Leben im Jetzt und Hier

Gestern hatte ich einen ganz blöden Tag im Büro. Ich habe zu viel Arbeit auf meinem Schreibtisch, sehe nicht wie ich das alles schaffen soll. Dann kommen ständig Fragen von Kollegen, Anrufe von anderen Abteilungen und Wünsche vom Chef. Als ich dann gegen 17h das Büro verlasse regnet es auch noch. Toll, schon wieder so ein Sch***-Tag.

Eigentlich will ich direkt nach Hause fahren, aber dann hätte ich da den ganzen Abend schlechte Laune. Also steige ich in mein Auto und lenke es in Richtung Stall. Ich weiß, dass Suri es nicht mag wenn ich so zu ihr komme. Es gibt Tage, da kommt sie einfach nicht. Sie will mich mit diesem Rucksack voll schlechter Gefühle nicht in ihrer Nähe haben. Aber ich bin egoistisch und fahre trotzdem hin. Mal sehen, was sie sagt.

Als ich das Stalltor durchfahre geht es mir schlagartig besser. Es regnet zwar immer noch, aber das ist mir plötzlich egal. Grinsend steige ich aus dem Auto und ziehe meine Stalljacke an. Auf dem Weg zu Suris Herde komme ich an den Rentnern vorbei, die mich neugierig ansehen. Alle Pferde rechnen um diese Zeit mit ihrem Abendessen, aber dafür bin ich heute nicht zuständig. Ich merke, dass ich meinen Schleche-Laune-Rucksack schon längst abgelegt habe. Ich glaube, den habe ich sogar vor dem Stalltor aus dem Auto geschmissen.

Die Herde steht am anderen Ende des Paddocks. Ich rufe meine Stute, kann sie in diesem Augenblick nicht sehen, weil einer der Unterstände die Sicht versperrt. Direkt höre ich Hufgetrappel, dann sehe ich die helle Nase um die Ecke biegen. Suri schaut mich mit großen Augen an, den Kopf hoch erhoben. Ich gehe auf das Paddock, lasse sie auf mich zukommen und streichle ihren Kopf. Dieser Moment ist magisch.

Sie senkt sofort den Kopf und schnaubt. Ich kraule ihre Ohren, streichle den Hals, atme ihren Geruch ein. Sie knibbelt an meiner Hand, fragt nach Futter. Da ich nichts dabei habe könnte sie eigentlich direkt wieder gehen, aber sie bleibt und genießt meine Nähe, so wie ich ihre Nähe genieße. Das sind die schönsten Momente. Es geht nicht um das Reiten, oder um große Erfolge auf Turnieren. Es geht um das Miteinander mit dem Pferd. Es geht um die Freundschaft, die wir aufgebaut haben. Und es geht um das Vertrauen, dass wir einander entgegenbringen.

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Kurze Zeit später kommt meine Freundin zum Stalldienst. Wir quatschen noch kurz, dann steige ich in mein Auto und fahre nach Hause. Der Bürostress, die schlechte Laune, alles ist wie weggeblasen. Und das nur durch ein paar intime Momente mit meiner Stute. Weil sie mir zeigt, was wirklich zählt. Einmal in das weiche Fell gefasst, und alles ist wieder gut. Pferde haben einfach eine heilsame Wirkung.

Kennt ihr das? Diese Momente, wenn euer Pferd euren Blickwinkel verschiebt und nur noch das Jetzt und Hier relevant ist? Das ist für mich Horsemanship: die wahre Beziehung zum Pferd

4 Kommentare zu Horsemanship: Leben im Jetzt und Hier

  1. Sybille Paquoi // 28. Februar 2015 um 21:40 // Antworten

    Danke für Deine Worte – genauso gings mir gestern!

  2. Genau das sind u.a. immer wieder diese tollen Momente, die das Zusammenleben mit Pferden so wunderbar machen.

    • Fü(h)rPferd // 2. März 2015 um 11:48 // Antworten

      Hallo Dietmar, ja das finde ich auch. Pferde sind einfach etwas ganz Besonderes. Das merke ich immer wieder, wenn Suri mir solche Momente schenkt 🙂

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Wenig Zeit als Reiter und Pferdebesitzer?

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