Folge 11: Teenager-Tage mit Chick, Teil 1

Der gelangweilte Musterschüler

Ihr kennt Chick als den guten Musterschüler, der sich schnell langweilt. Der die Aufgaben mit hohem Tempo erkennt und sie umsetzen kann. Das ist schön, wenn man ihm etwas Neues beibringt. Wenn man aber etwas Bekanntes festigen will, ist das schwieriger. Chick ist dann schnell gelangweilt. Er spult die Aufgaben einfach runter, ohne auf den Menschen zu achten. Und wenn es ihm zu bunt wird macht er einfach etwas anderes. Das sieht dann so aus:

Muss ich das wirklich tun? Wie Chick den Menschen „animiert“

Im letzten Training frage ich Chick nach den Grundübungen. Erst laufen wir an der Hand. Das macht ihm eine Runde lang Spaß,  dann schwindet seine Konzentration. Das erkenne ich daran, dass er anfängt mich zu drängeln, versucht die Hand zu wechseln oder weit zurückbleibt und sich treiben lässt. Ich muss ständig eingreifen, damit er die Übung vernünftig absolviert. Um ihn nach der Weihnachtspause nicht zu überfordern, frage ich anstelle des Folgens an der Hand nach einem Rückwärts.

Im Nachhinein denke ich, dass ich hier schon falsch gehandelt habe. Er hatte keine Lust mehr – ich habe die Übung gewechselt. Aber auch ich lerne ja aus meinen Fehlern: das nächste Mal läuft es anders 😉.

Chick folgt der neuen Aufgabe sofort, stellt die Ohren auf und ist voll bei der Sache. Also bleibe ich dabei und gehe ins Jojo.

2015-01-3

Chick voll konzentriert!

Das Jojo ist eine Kombination aus Rückwärts und wieder zum Menschen kommen.

Übung: Rückwärts
Ihr steht ihr frontal zu eurem Pferd. Ihr schickt das Pferd rückwärts. Hier an die Druckstufen denken:

  1. Leicht nach vorne lehnen, die Schultern dabei nach vorne bringen
  2. Einatmen, um den Druck aufzubauen
  3. Die Arme nach vorne geben, um den Raum einzunehmen
  4. Leicht die Arme bewegen, entweder auf das Pferd zu „wischen“ oder kreuzen. Hierbei nicht die Beine bewegen, der Mensch bleibt auf der Stelle stehen!
  5. Falls das Pferd noch nicht weicht: entweder das Seil oder den Stick zu Hilfe nehmen. Damit den Raum vor dem Pferd einnehmen, bis das Pferd weicht.

Beim ersten Mal lasst ihr das Pferd nur ein bis zwei Schritte rückwärts gehen. Dann gebt eine  Pause, damit das Pferd erkennt, dass es die Signale richtig gedeutet hat und ihr tatsächlich ein Weichen wolltet. Super, wenn das Pferd jetzt kaut! Dann ist das Gehirn aktiv, die Erfahrung wird abgespeichert. Dann geht zum Pferd und lobt, kurze Pause, dann die Übung wiederholen.

Wenn das Rückwärts sitzt, könnt ihr zum Jojo übergehen.

Übung: das Jojo

Das Jojo ist eine bekannte Trainingsübung, die sich z.B. auch bei Parelli findet. Allerdings arbeite ich nicht nach Parelli, sondern habe diese Aufgabe anders gelernt. Es gibt nicht nur einen Weg :).

Zuerst schicke ich das Pferd rückwärts weg. Wenn es gewichen ist, gibt es einen kurzen Stopp (ein paar Sekunden), um dann das Pferd wieder zu mir einzuladen. Das kennt mein Pferd schon aus der Freiarbeit.

Wenn ich vorher zu viel Druck erzeugt habe kann es sein, dass mein Pferd nicht mehr zu mir kommen will. Wichtig ist, jetzt nicht am Seil zu ziehen!

Übung: Come to me

Wenn mein Pferd zu mir kommen soll, lade ich über mehrere Stufen ein:

  1. Ich drehe mich weg, so dass ich schräg zum Pferd stehe
  2. Meine Hand geht in Richtung des Pferdes, Handfläche nach oben. Wie eine Einladung: „du darfst kommen“. Dabei dreht sich meine Schulter dem Pferd zu, mein Bauch ist seitlich abgewendet.
  3. Ich gebe dem Pferd ein paar Sekunden Zeit. Wenn ich keine Bereitschaft zum Kommen sehe, lege ich meine Hand unter das Seil und fahre langsam mit der Hand am Seil in meine Richtung. Dadurch entsteht ein leichte Zug, nur durch die Berührung des Seils. Ganz wichtig: nicht ziehen! Ich will mein Pferd ja nicht zwingen zu kommen, sondern darum bitten.
  4. Wenn mein Pferd auch darauf nicht in meine Richtung denkt, gebe ich leichte Impulse am Seil zu mir hin. Auch jetzt ziehe ich nicht, sondern gebe kurz den Impuls und lasse dann sofort wieder das Seil los.

Wenn mein Pferd das Come-to-me verstanden hat, kann ich das Jojo vervollständigen. Ich schicke das Pferd erst rückwärts von mir weg, um es im Anschluss wieder zu mir einzuladen. So entsteht eine Pendelbewegung, bei der das Pferd sich sehr konzentrieren muss, da sich die Anforderung immer verändern.

Chick findet das Jojo sehr spannend. Der ständige Wechsel hat den schlauen Wallach beansprucht. Hier habe ich eine Übung gefunden, die ihn fordert und fördert. Auch ist das Jojo sehr ausbaufähig: es kann langsam oder sehr schnell abgefragt werden, mit viel und wenig Druck, mit Pausen oder ohne, auf lange oder kurze Distanz. Hiermit werden wir uns noch viel beschäftigen können!

Hier geht es zum zweiten Teil von Chicks Jungpferde-Trainingsstunde!

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