Wie kam das eigentlich – Mein Weg zum Hengstjährling

Viele von euch haben es schon auf meiner Facebook-Seite gesehen: Ein neuer Mann ist in mein Leben getreten. Ich spreche hier von einem Mann auf 4 Hufen, erst 7 Monate alt und neugierig auf das neue Leben. Darf ich vorstellen: Hengstfohlen Houdini!

Wollte ich ein weiteres Pferd? Ähm – eigentlich nicht.

Aber eigentlich nicht heißt ja bekanntlich eigentlich doch. Trotzdem ist die Geschichte, wie ich zu Houdini kam, äußerst ungewöhnlich und ich möchte sie euch gern erzählen.

Im Juni letzten Jahres erzählte mir meine Freundin und Stallkollegin Melli, dass sie für ihre Tochter eine Appaloosa-Stute gekauft hatte. Die Stute kam aus einer Zuchtverkleinerung und war gerade tragend vom Appaloosa-Hengst „Hollywood Dazz“. Sie stand bis zur Geburt des Fohlens noch in der Zucht und sollte, sobald sie transportfähig war, mit dem Kleinen zu Melli umziehen. In meiner sommerlichen Freude ließ ich mich zu folgendem Satz hinreißen: „Wenn es ein Hengst wird, nehm ich den.“ Melli vergewisserte sich mehrmals, ob ich das ernst meinte. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Ja, das möchte ich wirklich. Ich möchte ein Fohlen von seinen ersten Lebenstagen an begleiten. Einen Hengst, der eine neue Herausforderung darstellt. Ich einigte mich mich Melli, dass sie mich informiert, wenn das Fohlen da ist.

Einige Wochen später bekam ich dann einen Anruf. „Akki, es ist wirklich ein Hengst, und er ist so wunderschön!“ Ich war platt. Jetzt war es also wahr geworden. Die Realität überrumpelte mich etwas, ich setzte mich erstmal und dachte über alles nach. Ein Fohlen! Die Selbstzweifel kamen. Ob ich das hinbekommen kann? Die liebe Melli beruhigte mich: „Wenn nicht du, wer denn dann?“

Nach einigen Wochen zog Shilo, die Stute, mit ihrem Fohlen dann zu Melli ins Sauerland. Völlig aufgeregt fuhr ich mit meinem Freund ein paar Tage später zu ihr, um den Kleinen das erste Mal zu besuchen. Auf der Weide stand ein absolut hinreißendes Fohlen, das neugierig und gleichzeitig schüchtern hin- und hersprang.

Die Zeit bei der Mama

In den folgenden Monaten fuhr ich mehrmals zu Melli, um den Kleinen zu besuchen. Mellis Tochter hatte ihm den Spitznamen Woodie gegeben, nach seinem Vater Hollywood Dazz. Woodie entwickelte sich prächtig, lernte nach einiger Zeit das Halftern kennen, übte Putzen, Führen und Hufe geben. Aus dem schüchternen Fohlen wurde in neugieriger und frecher Junghengst.

Der Umzug

Nach 7 Monaten durfte Woodie, der in seinen Papieren den Namen Houdini bekommen soll, dann nach Köln umziehen. Ich war so aufgeregt wie selten in meinem Leben! Zur Unterstützung beim Fohlentransport fragte ich Berti, der selbst 2 Hengste besitzt und viel Erfahrung im Transport von Pferden hat, ob er neben meinem Freund André mitkommt. Mit den beiden Männern an meiner Seite fuhren wir also ins Sauerland, um den Kleinen zu verladen und nach Köln zu holen.

Die Stuten, mit denen Woodie alias Houdini bisher zusammen stand, wurden zum Spaziergang aus dem Stall geholt. Ich führte Houdini, wie die Wochen zuvor auch, um den Stall zum Hänger. Natürlich wollte er nicht freiwillig auf die Rampe steigen, also entschlossen wir uns kurzerhand den Kleinen auf den Hänger zu schieben. Einmal oben, ließ er sich lieb anbinden und fraß begeistert die Möhren, die ich ihm hinhielt. Also schnell Klappe zu und los!

(Bevor die Frage aufkommt: Ja, eigentlich fährt man Jungpferde unangebunden und frei im Hänger. Ich hatte mich bei einer befreundeten Züchterin erkundigt, ob ich ihn anbinden sollte oder nicht. Sie sagte, wenn er das Anbinden kennt, wäre das kein Problem. Also hab ich ihn völlig problemlos angebunden gefahren.)

Die Fahrt verlief ereignislos. Houdini polterte ein oder zweimal, bis er die Kurven ausbalancieren konnte. Danach hörten wir auf der 1,5-stündigen Fahrt nichts mehr von dem Kleinen (was mich nervöser machte als das Gepolter 😉 ).

In Köln angekommen fanden wir einen nass geschwitzen Houdini vor. Es war wohl doch sehr anstrengend und stressig gewesen! Michael, der Hofbesitzer des Heinrichhofes, lieh uns eine Ponydecke um den Kleinen einzuwickeln. Die erste Decke in seinem Leben- und das nach einer so aufregenden Tour!

Houdini zog an diesem Tag mit zwei Jährlingen in einen eigenen Offenstall ein. Einer der Stallgenossen, Smarty, war am gleichen Tag von der Mama getrennt worden. Der andere Jährling, Flori, stand bereits in einer Junghengstherde und vermisste seine Mama nicht mehr. Die Zusammenführung war relativ unspektakulär. Die drei Hengste beschnupperten sich und erkundeten nacheinander das Paddock. Houdini war mutig und entfernte sich direkt vom Tor, um alles anzusehen. Smarty und Flori waren etwas unsicherer und blieben eng bei den Nachbarwallachen, die neugierig am Zaun standen und die Köpfe rüber streckten.

Die ersten Tage

In den ersten Tagen waren wir natürlich ständig am Stall, um nach dem Rechten zu sehen. Nach der ersten Aufregung wurde es sehr ruhig. Die drei Jungs klärten die Rangfolge, wobei Houdini den Kürzeren zog – er ist der Kleinste und Jüngste in der Runde und ordnet sich unter. Nach kurzem Tausch ist nun Flori der Chef im Ring. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass auch das sich noch häufiger ändern kann und wird…

Jetzt stehen die Jungpferde schon seit 3 Monaten zusammen. Zu Beginn waren alle sehr ruhig und traurig. Sie schienen ihre Mütter zu vermissen. Von Beginn an liegen die Drei immer zusammen auf dem Paddock oder fressen gemeinsam an der Heuraufe. Sie arrangieren sich mit der neuen Situation. Wir sind nach 14 Tagen schon mit Houdini spazieren gegangen und haben den Hof erkundet. Das war alles sehr spannend!

In Zukunft werdet ihr also mehr über Fohlentraining und Hengstgehabe lesen. Ich freue mich schon auf eine tolle Zeit mit dem Kleinen 🙂

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