Darf mein Pferd das? – Warum du unbedingt Herr deiner eigenen Regeln sein solltest

Ich stehe  mit einem neuen Pferd-Mensch-Team auf dem Platz und erkläre die ersten Schritte des Natural Horsemanship. Der Mensch hört mir aufmerksam zu, das Pferd schaut in der Gegend umher oder döst. Die Fliegen nerven, das Pferd neigt den Kopf und möchte sich an seinem Besitzer schubbern. Und dann kommt sie, die Frage der Fragen: „Darf der das? Oder soll ich das verbieten?“

Diese Frage wird nicht nur zum Thema Schubbern gestellt, sondern auch wenn das Pferd sich wegdreht, in die Gegend schaut, wiehert oder ähnliches. Und ich stelle jedes Mal die gleiche Gegenfragen: „Möchtest du das? Oder ist es dir egal?“

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Die Nähe zu einem Pferd kann wunderschön sein. Daher verbiete ich meinem Pferd nicht, nah bei mir zu sein – solange ich es dazu eingeladen habe.

Es gibt keine ultimativen Benimmregeln

Bevor wir mit dem Pferd arbeiten, sollten wir uns im Klaren sein, wie unsere Zusammenarbeit aussehen soll. Sind wir Chef und Angestellter? Oder sind wir Freunde? Diese Frage muss ich als erstes für mich selbst beantworten, um dann meinem Pferd eine klare Aussage machen zu können. Das ist nicht nur im Pferdetraining so: Stell dir vor, du hast einen Job in einem Büro. Wenn du deinen Chef begrüßt, gehst du dann mit „High five“ auf ihn zu und klatscht ihn ab? Oder gibst du ihm die Hand und sagst „Guten Morgen“? Wie begrüßt du deine Kollegen? Wenn die Beziehung zu ihnen freundschaftlich ist, wirst du ihnen wohl kaum förmlich die Hand reichen. Hat dir jemand gesagt, wie die Benimmregeln dort sind, bevor du den Job begonnen hast? Sicher nicht. Du hast sie erst erfahren müssen, und dich dann in die bestehenden Regeln eingefügt. Das ist im ersten Moment immer aufregend und neu, aber mit der Zeit wirst du sicher im Umgang mit deinem neuen Umfeld, weil die Regeln jeden Tag die gleichen sind.

Genau so ist es mit deinem Pferd. Du stellst die Regeln auf. Und sorgst auch dafür, dass sie immer eingehalten werden. Dann wird dein Pferd diese zu jeder Zeit befolgen, auch wenn du sie nicht jeden Tag wiederholst.

Deine Regeln für euer Zusammenleben

Wenn du also meinst, dass es für dich in Ordnung ist, wenn dein Pferd in der Gegend umherschaut, solange du dich unterhälst, ist das völlig richtig! Wenn du ihm verbietest, sich an dir zu schubbern, ist das ebenfalls korrekt. Es sind deine Regeln, die eurer Zusammenleben bestimmen. Du darfst sie festlegen. Und wenn du deinem Pferd höflich aber bestimmt erklärst, welche Regeln in eurem Beisammensein gelten, wird auch dein Pferd diese Regeln gern einhalten.

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Suris interssiert sich gerade definitiv nicht für mich. Mir ist das egal, sie darf in diesem Moment frei entscheiden.

Klare Linien bestimmen

Es ist nur wichtig, dass die von dir bestimmten Regeln immer und überall gelten. Es darf nicht sein, dass du heute das Umherschauen erlaubst, es morgen aber hart unterbindest. Dein Pferd braucht einen sicheren Rahmen, der immer gleich ist, sobald ihr zusammen seid. Nur dann kennt es seinen Platz und kann sich entspannen.

Lass dir also nicht von irgendjemandem vorschreiben, was dein Pferd generell darf und was nicht. Gib euch selbst einen Rahmen und stecke darin Regeln ab. Das ist der erste Schritt zu einer guten und sicheren Beziehung zu deinem Pferd.

Petra von der Pferdeflüsterei hat sich sehr ausführlich mit dem Thema Regeln in der Pferdeerziehung auseinandergesetzt. Wenn du noch tiefer einsteigen möchtest, schau bei ihr vorbei.

Immer wieder kommt in diesem Zusammenhang die Frage nach „Dominanz“. Hierzu hat sich Lenina Gedanken gemacht: Dominanz ist nicht das wahre Problem.

Fühlend-reiten beschreibt den schmalen Grad zur Höflichkeit in der Pferdeausbildung.

 

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4 Kommentare zu Darf mein Pferd das? – Warum du unbedingt Herr deiner eigenen Regeln sein solltest

  1. Hi Akki, du hast so Recht. Ich habe diese Fragen meiner Frau Bodenarbeitstrainerin anfangs auch gestellt und habe genau die gleichen Antworten bekommen 😉 Ich habe mittlerweile eine kleine Regelrunde in meinem Kopf, die ich als für mich angenehm empfinde. Die gelten immer – für mich und für das Pferd. Ich habe nämlich auch Regeln für mich selbst. Auch die muss ich immer einhalten. Fair und klar zu bleiben, zum Beispiel, Ganz liebe Grüße, Petra

    • Fü(h)rPferd // 28. Juli 2015 um 10:06 // Antworten

      Hallo Petra,

      schön, dass du das ansprichst! Die Regeln für das Pferd sind das eine, die für sich selbst das andere – und genau so wichtig! Wenn ich nicht beständig bin, wird mein Pferd es auch nicht sein.

      Danke für die Ergänzung! Ganz liebe Grüße, akki

  2. Hallo Akki,
    ganz toller Artikel! Ich bin ganz ehrlich: Bei der ein oder anderen Sache frage ich mich auch immer wieder „Soll ich das jetzt erlauben oder nicht?“ – obwohl ich im Grunde genommen genau weiß was ich will und was nicht.
    Der „Druck“ von außen, kann einen manchmal zum Zweifeln bringen.
    Du bestärkst mich aber nochmal in dem du hier schreibst, dass man seinen eigenen Rahmen schaffen und darin seine eigenen Regeln abstecken soll. Toll formuliert übrigens 🙂
    Und dass diese Regeln dann immer und überall gelten müssen ist klar! Sonst versteht das Pferd seine Welt nicht mehr.
    Liebe Grüße!
    Nina

    • Fü(h)rPferd // 4. August 2015 um 15:25 // Antworten

      Hallo Nina,

      vielen Dank für deine Nachricht! Ich freue mich so sehr, dass der Artikel so gut ankommt. Du hast recht, der Druck von außen ist sehr stark. Aber jeder muss unbedingt seinen eigenen Weg gehen, seine eigenen Regeln schaffen und sich in seinen Möglichkeiten entwickeln. Wenn wir alle nur das tun würden, was andere uns vorsagen, wäre eine richtige Entwicklung gar nicht möglich!

      Ich wünsche dir viel Spaß und ein „dickes Fell“!

      Deine Akki

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